Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Autor: David (Seite 15 von 26)

Mitte

Es stritten Beamte in Mitte,
Ob dies eine würdige Sitte,
Die Wippe zur Einheit,
Das schwor’n sie bei Meineid,
Es war Erichs letzteste Bitte.

David Damm, 2017

Der junge Stieglitz

Abends wander‘ ich durch Steglitz,
Von der Arbeit mausetot,
Und da sitzt am Weg ein Stieglitz
Frisch betupft mit Gelb und Rot.

Helle Freude wiegt sein Antlitz,
Eifrig pickt er Krumen Brot, –
Doch dann flieht er wie ein Potzblitz,
Weil er glaubt, er wird bedroht.

Fort entschwunden durch den Zaunschlitz,
Fliegt er weit in seiner Not,
Und so tönt das Lied des Stieglitz
Durch das müde Abendrot.

David Damm, 2017

Amsels Abendgesang

Hoch oben
Auf einem dünnen wiegenden Aste
Saß die Amsel, tiefschwarz,
Und sang in den blauen Wind.
Aus voller Kehle erzählte sie –
Dem rauschenden Wasserfall,
Dem donnernden Flugzeug,
Der surrenden Seilbahn,
Den ruhenden Spaziergängern –
Von ihrem blumigen Tag.

David Damm, 2017

Englischer Garten mit Tulpen auf der IGA (Gärten der Welt)

Gladbach

Es chillte ein Biber in Gladbach
Im Schatten, dort unter dem Blattdach,
Doch dann tauchten auf,
Mit Trommel, hau drauf,
Die Kinder, und machten die Stadt wach.

David Damm, 2017

Vonne inne Wanne jehn

Vonne inne Wanne jehn,
Da jibts mir Schrumpel anne Zehn,
Doch Entenflatschen mag ick nich,
Ick bin ja ooch keen Schnatterich,
Drum häng ick meene Beene dann
Hoch inne Luft, weil ick dit kann,
Damitte Käsemauken lüften
Und wieder super dufte düften.

David Damm, 2017

Schräg

Eine Schräge ist schräg,
Eine Gerade ist gerade,
Eine gerade Schräge ist schräg,
Aber eine schräge Gerade ist schief.

Schräg oder schief?
Was ist der Unterschied zwischen den Wörtern?
Gibt es überhaupt einen?

Brück

Ein Reisender reiste nach Brück,
Sein Zug, der war pünktlich, zum Glück,
Er wollte dort speisen,
Gleich neben den Gleisen,
Doch gab’s nicht mal ein Kuchenstück.

David Damm, 2017

Vergieß mein nicht

Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich –
Dachte das

Wasser
In der
Gieß
k
a
n
n
e

David Damm, 2017

1000 Tulpen

Tausend Tulpen steh’n da draußen
Vor der Tür und künden dir
Von dem Frühling meines Herzens
Und der Sehnsucht, die floriert.

David Damm, 2017

Wegweiser

Es brennt ein Lichtlein auf dem Sims,
Das Fenster steht geöffnet,
Und wenn der Wind nur leise geht,
Dann findest du den schmalen Weg
Zu meines Herzens Pforte.

David Damm, 2017

Frühjahrsputz

Es lümmelte ein Blümelchen
Vor meinem Gartentor,
Da bümmelt’s laut,
Ich bitt’s herein,
Doch bitte tritt
Die Füßelein,
Ganz ohne Dreck und Krümelchen,
Auf meiner Matte
Ab.

David Damm, 2017

Klammeraffe

Er klammert
Die von der Klamm
Klamm gewordenen Kleider
Klammheimlich
Mit der Klammer
Aus dem Klammerbeutel
Auf die Leine in der Kleiderkammer.

David Damm, 2017

Frühling im Anflug

Der Tag beginnt noch einmal blau, ich höre die Wildgänse rufen. Zwischen den kahlen Ästen der Bäume kann ich sie nicht erspähen.

Mittags zeichnet sich eine kleine Wolke ab, ganz zart verwirbelt weht sie über den Himmel. Ein Schwarm Graugänse, jetzt ist mein Blick frei, zieht nach Osten. Die vordere V-Formation birgt zweihundert Tiere, die zweite etwa fünfzig. Ihre Schreie gellen über die Stadt. Tausende fliegen im Laufe des Tages über Berlin.

Nachmittags verdichten sich die Wolken. Die Sonne sucht sich ihren Weg und ergießt ihre Strahlen aus dem goldenen Schmelztiegel in die Zwischenräume.

Rasch wird es dunkel, das Restlicht ist um 6 verschwunden. Ich schwitze in meiner Winterjacke. Mütze, Schal und Handschuhe landen als überflüssiger Ballast im Rucksack. Es beginnt zu tröpfeln. Von den feuchten Straßen steigt ein Duft hinauf, genau so wie nach einem warmen Sommerregen. Es riecht nach Frühling.

16. Februar 2017