Silbenton

Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Schlagwort: berlin (Seite 1 von 7)

Tiergarten

Es saßen zwei Bayern im Tiergarten,
Studierten dort sämtliche Bierarten,
Die süßen und herben,
Die sanften und derben,
Bis sie in dem Krug alle vier paarten.

David Damm, 2017

Regenbogen in Berlin

Sonnenlicht und Regenschauer
Trafen sich vor grauer Wand,
Doch war’s nur von kurzer Dauer,
Dass ein Regenbogen stand.

David Damm, 2017

Mitte

Es stritten Beamte in Mitte,
Ob dies eine würdige Sitte,
Die Wippe zur Einheit,
Das schwor’n sie bei Meineid,
Es war Erichs letzteste Bitte.

David Damm, 2017

Der junge Stieglitz

Abends wander‘ ich durch Steglitz,
Von der Arbeit mausetot,
Und da sitzt am Weg ein Stieglitz
Frisch betupft mit Gelb und Rot.

Helle Freude wiegt sein Antlitz,
Eifrig pickt er Krumen Brot, –
Doch dann flieht er wie ein Potzblitz,
Weil er glaubt, er wird bedroht.

Fort entschwunden durch den Zaunschlitz,
Fliegt er weit in seiner Not,
Und so tönt das Lied des Stieglitz
Durch das müde Abendrot.

David Damm, 2017

Amsels Abendgesang

Hoch oben
Auf einem dünnen wiegenden Aste
Saß die Amsel, tiefschwarz,
Und sang in den blauen Wind.
Aus voller Kehle erzählte sie –
Dem rauschenden Wasserfall,
Dem donnernden Flugzeug,
Der surrenden Seilbahn,
Den ruhenden Spaziergängern –
Von ihrem blumigen Tag.

David Damm, 2017

Englischer Garten mit Tulpen auf der IGA (Gärten der Welt)

Vonne inne Wanne jehn

Vonne inne Wanne jehn,
Da jibts mir Schrumpel anne Zehn,
Doch Entenflatschen mag ick nich,
Ick bin ja ooch keen Schnatterich,
Drum häng ick meene Beene dann
Hoch inne Luft, weil ick dit kann,
Damitte Käsemauken lüften
Und wieder super dufte düften.

David Damm, 2017

Wolkenmaschen

Wolkenmaschen,
Mit kalter Nadel gestrickt,
Verhüllen die Stadt
Unter einer Wolldecke
In weiß, blau, rot und grau.

David Damm, 2017

Die Tüte

Eine große weiße Plastiktüte mit blauer Aufschrift steht auf dem Sitz neben dem Mann in der S-Bahn. Die Beine hat er zusammen gezogen und die Hände dazwischen geklemmt.
An seinem linken Fuß steht eine Bierflasche auf dem Boden. Er greift nach ihr, nimmt den letzten Schluck und kramt dann in der Tüte. Mit gerötetem Gesicht, einer Knollnase und dünnem Haar erinnert er an Harald Juhnke. Er tauscht die Flasche gegen eine volle aus. Die Verschlusskappe zischt und er kostet von ihrem Inhalt.
Auf der Tüte steht: »Achtung! Patienten-Eigentum!«

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