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Schlagwort: freiheit (Seite 1 von 1)

Das letzte gericht

Die weiße Gans steht ganz entzückend
Auf bunter Wiese Blümchen pflückend,
Hans steht am Zaun, er lächelt, lacht,
Bestaunt die Gans in ihrer Pracht.

Sie zupft am Federkleid, sich schmückend,
Doch dann droht dicke Luft – bedrückend,
Das schwere Gattertor geht auf,
Die Gans ist klug – macht Dauerlauf.

Der Bauer hinkt auf krummen Krücken,
Er flucht, verdammt, aus vollen Stücken:
»Du dumme Gans bleib endlich hier,
Ich krieg dich schon, du blödes Tier!«

Der Bauer schnauft und will sich bücken,
Da schießt ihm Schmerz in seinen Rücken,
Die Gans quietscht laut vor Angst und Schreck,
Der Bauer schwankt und sitzt im Dreck.

Rasch nimmt er ein paar Whiskeyschlücke,
Auf dass sein Leiden sich verdrücke,
Und als er wieder um sich sieht,
Sieht er noch wie die Gans entflieht.

Das Tor steht offen, schwups, ruckzück,
War sie entfleucht, kein Blick zurück,
In weiter Ferne wippt der Schwanz,
Und Hans macht einen Freudentanz.

Die Gans gerettet, ganz im Stück,
Der Hans ist außer sich vor Glück,
Er wünscht ihr noch ein langes Leben,
Von vielen Gänseklein umgeben.

David Damm, 2021

wider / wieder

für wochen gefangen im häuslichen turm
    / zurückgewonnene freiheit entfacht das leben im sturm
nur einsame runden im endlosen regen
    / endlich wieder hinaus ohne masken und regeln
mittags abgespeist mit reis und petersilie
    / sich die ersehnte reise erfüllen zu der familie
mit blassen wangen vor dem spiegel gestanden
    / vom alltag ablassen und in der ferne stranden
in den seilen gehangen vom langen verstecken
    / die aussicht an steilen passagen entdecken
wann den letzten eisbecher im café gegessen
    / wanderschuhe werden zum eisbrecher an alpenpässen
die ewig gleiche sicht übers platte heimatland
    / neue platten beschallen den hungrigen verstand
wie ein fauler wal tagein tagaus in der bude gehockt
    / du hast die wahl und nun wird die welt gerockt

David Damm, 2021

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Frei(bad)

Fritzchen sitzt wochentags für viele Stunden
Hinter dem Monitor gänzlich verschwunden,
Statt mit den Freunden gemeinsam zu zocken,
Paukt er die Algebra, staubig und trocken.

Sonnenschein bruzzelt, das Hirn kocht zu Brei,
Homeschooling kennt leider kein hitzefrei,
Umso erfreulicher ist’s nach der Schule,
Das Freibad hat offen und Fritz macht Bambule.

Er schnappt sich das Fahrrad, tritt in die Pedalen,
Braust rasend vorüber an Ausflugslokalen,
Stellt’s Radel am Zaun ab und flitzt zu dem Tor,
Die Schlange ist lang und sie krümmt sich davor.

Ein Zeitfenster hatte sich Fritzchen gebucht,
Ein Testcenter hatte er vorher besucht,
Er zeigt seine Zettel, es sind eins, zwei, drei,
Natürlich hat er auch ein Ticket dabei.

Er sucht sich ein Plätzchen nicht weit von dem Becken,
Die Kumpels kann er in dem Bad nicht entdecken,
Jetzt rollt er das Handtuch im heißen Sand aus,
Jemand schwingt sich vom Zehner und erntet Applaus.

Vergebens sucht Fritzchen im Innern der Tasche,
Er findet nur Flossen und Sonnencremeflasche,
An alles gedacht, nur die Hose vergessen,
Doch davon lässt Fritzchen sich nun nicht mehr stressen.

Mit hurtigen Füßen und mutigem Sprung
Taucht er in das Wasser, es platscht durch den Schwung,
Die Wellen umspielen nach so langer Zeit
Und Fritzchen ist glücklich, ja, endlich befreit.

David Damm, 2021