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Schlagwort: garten

Ungewöhnliche Balkonpflanzen

Es gibt die echten Klassiker, die auf vielen Balkonen zu finden sind: Geranien, Petunien und sicher auch Margeriten. Bei uns sieht es da aber ganz anders aus. Neben den Akeleien finden sich Ringelblumen, Hornveilchen, Kalifornischer Goldmohn und Hornklee. Dazwischen mal Zwiebeln von Frühblühern wie Krokussen und Tulpen, die aber nicht wirklich gut im Balkonkasten gedeihen.

Warum sind diese Planzen da?

Weil wir für den Garten Zwiebeln und Samen gekauft und vergezogen hatten, aber immer etwas übrig blieb, sich ein Samentütchen versteckt hatte, wir daheim zu spät ausgesät hatten oder die gekeimten Pflanzen nicht so richtig gedeihen wollten. Im Grunde ist unser Balkon ein Krankenhaus für Pflanzen, eine Pflegestation mit täglicher Betreuung. Zwischen den genannten verbirgt sich auch gern mal ein kleiner Salat, Postelein (Tellerkraut) oder Spinatpflänzchen. Diese waren eigentlich dazu gedacht, uns im Winter mit ein bisschen frischem Grün zu versorgen, aber wir hatten die Rechnung ohne die Spatzen gemacht. War es anfangs nur einer, der hin und wieder vorbei kam und sich etwas von dem Grünzeug pflückte, sind es inzwischen kleine Grüppchen von vier bis fünf Spatzen, die sich über das Salatbuffet her machen. Sie sammeln sich im Baum vor unserem Balkon und fliegen dann gemeinsam zum großen Mahl. Es geht zu wie auf dem wilden Basar, wo die Fetzen fliegen und alles, was einem nicht schmeckt, kreuz und quer durch die Gegend geschleudert wird. Wir lassen ihnen den Spaß und erfreuen uns an ihrem fröhlichen Gezwitscher, auch wenn wir es sind, die nach dem Mahl aufräumen und abwaschen müssen.

Seit neuestem scheint sich sogar eine Biene neben einem Loch, das zum Abfluss überschüssigen Regenwassers dient, häuslich einzurichten. Dies ist uns aufgefallen, weil plötzlich kleine Krümelchen auf dem Kunstrasen lagen. Die Biene hat es also irgendwie geschafft, sich durch den Putz zu graben und sich mühevoll an der Kunstrasenkante vorbei in das kleine Löchlein zu zwängen. Möglicherweise hat sie diesen Platz für ihren Nachwuchs auserkoren.

Die Akelei

Letztes Jahr haben wir aus Samen etliche Akeleipflanzen gezogen. Die meisten zogen, als sie kräftig genug waren, in den Garten um. Es blieben jedoch vier Pflänzchen übrig, die recht schwach wirkten. Zum Wegschmeißen konnten wir uns nicht überwinden, und so landeten sie alle zusammen in einem Blumenkasten. Dort hatten wir sie stets im Blick und konnten sie hegen und pflegen. Da die Akelei sowieso erst im zweiten Jahr blüht, trug sie im ersten Jahr nicht zur Verschönerung des Balkons bei, war aber auch kein Schandfleck, denn selbst die zarten, grünen, rundlich ausgefransten Blättchen waren schön anzusehen.

Irgendwann kam der Herbst und dann der Winter, der sich 2018/2019 in Berlin kaum als solcher bezeichnen durfte. Es gab nur wenige Tage  unter Null und so gut wie keinen Schnee, zumindest keinen, der länger als zwei Stunden liegen blieb. Da unser Balkon geschützt in der Hauswand eingelassen ist, also eigentlich als Loggia bezeichnet werden dürfte, sorgten die Abwärme des Hauses, die windgeschützte Lage und die Ausrichtung nach Südwesten zusätzlich für milde Temperaturen. Infolgedessen geschah es, dass die Akeleipflanzen den gesamten Winter über grün blieben. Das zum Herbst hin üppig gewordene Laub zog sich zwar etwas zurück, aber die Pflanzen blieben sichtbar und schoben sogar hin und wieder kleine frische Blättchen nach.

Digitale Zeichnung der großwüchsigen lilafarbenen Akelei
(gezeichnet auf dem Tablet mit der App Autodesk SketchBook)

Mit den ersten wärmeren Tagen im Februar, an denen schon zwanzig Grad erreicht wurden, setzte sofort das Wachstum ein und das Grün quoll innerhalb weniger Wochen aus dem Blumenkasten. Mitte März schoben sich kräftige Stengel gen Himmel, die schon Anfang April Blütenknospen ausbildeten. Es stellte sich heraus, dass wir abwechselnd nebeneinander zwei kleinwüchsige und zwei großwüchsige Akeleien gepflanzt hatten. Die kleinwüchsigen blühten etwas früher, da ihre Blütenstengel nicht so weit auswachsen mussten. In der Blütengröße stehen sie jedoch den großwüchsigen kaum nach. Die äußeren Blütenblätter der kleinwüchsigen sind pink gefärbt, die inneren weiß. Sie lugen gerade mal ein paar Zentimeter aus dem Blumenkasten. Unten von der Straße aus lassen sie sich nicht erblicken. Im Gegensatz dazu stehen die Blüten der großwüchsigen Akelei vielverzweigt und vierzig Zentimeter hoch. Die Stengel tragen kaum Blätter, dafür umso mehr Blüten, gestaffelt in unterschiedlichen Höhen. Die Blüten sind tief lila bis leicht bläulich gefärbt und schwingen mit dem Wind hin und her, die Köpfchen zart nickend. Manch eine Hummel folgte ihrem Lockruf und labte sich an den gelben Pollen. Selbst Spaziergänger bleiben vor unserer Haustür stehen, legen den Kopf in den Nacken und bestaunen die kerzengeraden Akeleien, die lauthals rufen mögen: „Seht nur her, der Sommer ist gekommen.“

Wir lassen sie in dem Glauben und verschweigen, dass sie einige Wochen zu früh dran ist.

Wiesenburg

Es pflanzte ein Gärtner in Wiesenburg
Als Selbstversorger ’ne Riesengurk‘.
Er pflegte und goss,
Die Gurke, die spross,
Bis sie gestohlen vom fiesen Schurk‘.

David Damm, 2017

Amsels Abendgesang

Hoch oben
Auf einem dünnen wiegenden Aste
Saß die Amsel, tiefschwarz,
Und sang in den blauen Wind.
Aus voller Kehle erzählte sie –
Dem rauschenden Wasserfall,
Dem donnernden Flugzeug,
Der surrenden Seilbahn,
Den ruhenden Spaziergängern –
Von ihrem blumigen Tag.

David Damm, 2017

Englischer Garten mit Tulpen auf der IGA (Gärten der Welt)

Vergieß mein nicht

Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich,
Vergieß mich nicht,
Vergieß mich –
Dachte das

Wasser
In der
Gieß
k
a
n
n
e

David Damm, 2017

Die Mönchsgrasmücke

In einem Blumengarten
Auf einem Pflaumenbaum,
Da saß ein scheuer Vogel,
Ich merkte ihn erst kaum.

Er trug ’ne schwarze Kappe
Bis tief in sein Gesicht,
Darunter eine Kutte,
In hellem grau, ganz schlicht.

Bald schlug er mit den Flügeln,
Rasch wie ein Kolibri,
Und nippte an den Blüten,
Sang eine Melodie.

Ich lauschte ihm ein Weilchen,
Wie er so fröhlich klang,
Und manchmal, wenn ich träume,
Erinner‘ ich mich dran.

David Damm, 2016

Stunde der Gartenvögel 2016

An diesem Wochende fand vom 13. Mai bis zum 15. Mai die »Stunde der Gartenvögel« statt. Jeder, der irgendwo draußen in einem Garten, Park oder auf dem Balkon war, konnte daran teilnehmen. Dafür sollte man für eine Stunde versuchen, die Vögel der Umgebung zu erkennen und zu zählen. Je Vogelart, die man beobachtet hatte, sollte der Maximalwert notiert und später auf der Webseite des NABU mitgeteilt werden.

Kleingarten

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal teilgenommen. Ich saß abends zwischen 19 und 20 Uhr in einem wunderschönen Schrebergarten unter Blütenbäumen und habe versucht, die Vögel zu erkennen. Das war manchmal nicht einfach, wenn die Vögelchen flink von Ast zu Ast sprangen, sich unter dem frischen Blattwerk versteckten oder kurz über dem Kopf hinweg flogen.

Vogelart Anzahl
Feldsperling (Spatz) 7
Star 3
Elster 2
Kohlmeise 2
Mauersegler 2
Gartenrotschwanz 2
Mönchsgrasmücke 1
Ringeltaube 1
Graureiher 1

Besonders habe ich mich über den Gartenrotschwanz mit seiner weißen Maske und die Mönchsgrasmücke mit der schwarzen Kappe gefreut. Diese Aktion machte so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte mit dem Erspähen der fröhlichen Singvögel. Zum Abschluss hörte ich den kräftigen Flügelschlag des Graureihers, der an einem Gartenteich gespeist hatte, und sah, wie er in den Abend davon flog. Durch den Nachbargarten schlich eine Katze mit wachem Blick zu den Vögeln, die sich nun allmählich zu ihren Schlafplätzen begaben.

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Thema von Anders Norén.