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Schlagwort: poesiemonat (Seite 1 von 1)

Rapunzel

Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!
Ach Liebster, mein Liebster, ich färb’s erst noch bunter.
Das Haar will ich schneiden, doch nur an den Spitzen,
Das geht ganz schnell vor dem Spiegel im Sitzen.

Dann muss ich sie gründlich mit Warmwasser spülen,
Schon bald wirst du es selber erfühlen,
Wie kuschelweich mein Haar dadurch wird,
Wie Sonnenlicht durch die Strähnchen flirrt.

Dann nehm‘ ich die Bürste und werde sie kämmen
Und pudern, um Läuse einzudämmen.
Ich trockne die Haare mit dem Heißluftfön,
Mein Liebster, für dich nur mach‘ ich mich schön.

Mein Pony muss schließlich geglättet werden,
Damit ich die Schönste werde auf Erden,
Ist dieser Schritt endlich auch getan,
Fang ich schon mit dem Flechten an.

Doch weil’s, wie du weißt, einige Meter sind,
Gedulde dich kurz, ich mache geschwind,
Zu guter Letzt werde ich’s parfümieren
Und etwas Pomade zum Halt hinein schmieren.

Nach einigen Tagen, das ist jedem klar,
War Rapunzel fertig mit ihrem Haar.
Ein kurzer Blick in den Spiegel und dann
Trat sie überglücklich ans Fenster heran:

Mein Liebster, ich lasse das Haar rasch herunter,
Doch jener schlief fest unterm Busch des Holunder.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 6. Aufgabe lautete: »Schreibe über dein Haar.« Ich habe die Aufgabe minimal abgewandelt und über jemandes anderen Haare geschrieben.

Bauernregel

Wenn die Hähne nicht mehr krähen,
Wird ein Sturm den Stall fort wehen.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 5. Aufgabe lautete: »Denk dir eine Bauernregel aus.«

Aussichtslos?

Ein Mensch geht durch ein kluges Land,
Sieht Städte sich mehren wie Körner im Sand,
Und bald schon steht er auf einem Gipfel,
Ein eisiger Wind weht durch die Wipfel,
Die Aussicht ist bombig, doch gibt’s eine Tücke:
Zu Füßen klafft eine riesige Lücke.

Die Regen peitscht auf, durchdringt seine Sachen,
Der Rückweg versperrt durch Bäume, die krachen,
Die Wolken verdunkeln, gleich kommt ein Gewitter,
Steht er dann noch oben, so trifft es ihn bitter,
Am Abgrund wird’s laut, sein Blick wird trüber,
Wer hilft dem Gesell‘     schaf(f)t er es hinüber?

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 4. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Gedicht mit einem Bruch in der Mitte.«

Mitternacht

Grummeln dringt durchs Tor,
Elfen schweben zum See,
Irrlichter sind mit dabei,
Sie tranken vom Cognac,
Torkelnd und stolpernd, o weh.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 3. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Akrostichon.«

Rosen sind rot

Rosen sind rot,
Veilchen sind blau,
Die ersten sind dornig
Und machen dir Au.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 2. Aufgabe lautete: »Schreibe eine eigene vierzeilige Version von „Rosen sind rot, Veilchen sind blau…“«

Kudamm

Ich steh am Kudamm in Berlin,
Wo Enten durch die Straßen zieh’n,
Der Storch stakst durch den grünen Flor,
Am Zebrastreifen steht davor
Ein Schimmel, mit den Hufen scharrend,
Weil auf der Bahn, nur kurz verharrend,
Die Schnecken schnell vorüber sausen,
Ihr Fahrtwind lässt mein Haar zerzausen.

Und in den Bäumen sitzt sogar
Der eine oder and’re Star,
Die herzlich miteinander plappern,
Der Storch stimmt ein mit lautem Klappern,
Am Baumstamm pocht der bunte Specht
Natürlich auf sein gutes Recht.
Und doch ist’s ungewöhnlich still,
Ach Mist, ich weiß‘: April, April.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 1. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Aprilscherzgedicht.«