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Fußballfieber

Der Biergarten zum Bersten voll,
Die Sonne tief und prall,
Der Schiri pfeift ob Dur, ob Moll,
Schon rollt der flinke Ball.

Millionen Spieler grölen laut
Und schwenken ihre Fahnen,
Trikots in weiß, wohin man schaut,
Sie soll’n den Gegner warnen.

Die Mannschaft ist gut aufgestellt,
Baut’s Spiel ganz ruhig auf,
Als wär es Schach auf grünem Feld,
Doch haben sie’s noch drauf?

Der Ball geht endlos hin und her,
Bald muss jetzt was passieren,
Kaum ist’s gedacht, ist’s Herz mir schwer,
Das kommt vom rumtaktieren.

Der Gegner hat den Ball versenkt,
Der Schuss ging scharf ins Eck,
Der Ärger wird im Bier ertränkt,
Wir putzen alles weg.

Die Menge stöhnt, der Opa ächzt,
Wie konnte das passieren?
Der Stürmer stürmte über rechts
Und niemand konnt‘ parieren.

Für jeden Stern auf uns’rer Brust
Soll’n deutsche Tore fallen,
So wird der Mannschaft erste Frust
Ins fremde Tornetz prallen.

David Damm, 2021

Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Biergarten« verfasst.

Der volle Mond


Am Abend zu der blauen Stunde
Schwingt sich der Mond auf seine Runde,
Sein Kopf ist voll, er leuchtet drall,
Er rutscht hinab und kommt zu Fall.
Die Nacht ist bitter klirrend kalt,
Am Schornstein gibt es keinen Halt.
Die Schindeln zittern, und mit Krach,
Er hält sich kurz noch an dem Dach,
Fällt er abrupt in’s Vogelnest,
Der Rabe schimpft: »Ist das ein Test?«
Da schwell’n dem Mond die Wangen an,
Dass er es kaum noch halten kann.
»Es tut mir leid«, würgt nun der Mond,
»Mir dreht es heut‘ so ungewohnt.«
Er rollt sich weiter, kreidebleich,
Und stürzt beinahe in den Teich,
Doch kurz davor, im Baumgeäst,
Verfängt er sich und hängt dort fest.
Der Rabe landet auf dem Baum,
Pickt Stück für Stück vom hellen Saum,
Bis er vom Mond nach bald zwei Wochen
Schier jeden Krümel abgebrochen.

David Damm, 2018

Tiergarten

Es saßen zwei Bayern im Tiergarten,
Studierten dort sämtliche Bierarten,
Die süßen und herben,
Die sanften und derben,
Bis sie in dem Krug alle vier paarten.

David Damm, 2017

Die Tüte

Eine große weiße Plastiktüte mit blauer Aufschrift steht auf dem Sitz neben dem Mann in der S-Bahn. Die Beine hat er zusammen gezogen und die Hände dazwischen geklemmt.
An seinem linken Fuß steht eine Bierflasche auf dem Boden. Er greift nach ihr, nimmt den letzten Schluck und kramt dann in der Tüte. Mit gerötetem Gesicht, einer Knollnase und dünnem Haar erinnert er an Harald Juhnke. Er tauscht die Flasche gegen eine volle aus. Die Verschlusskappe zischt und er kostet von ihrem Inhalt.
Auf der Tüte steht: »Achtung! Patienten-Eigentum!«

Auf dem Bierfasswagen

Hoch auf dem Bierfasswagen,
Sitz ich beim Vater vorn,
Der Himmel so blau seit Tagen,
Prächtig gedeiht das Korn.
Bäche, Flüsse mit Fischen,
Fließen den Weg entlang,
Ich möcht‘ meine Kehle erfrischen,
Aber ich liege längst lang.
Ich möcht‘ meine Kehle erfrischen,
Aber ich liege längst lang.

David Damm, 2016