Silbenton

Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Schlagwort: gedicht (Seite 1 von 13)

Unvollendet

Es ist noch nicht vollendet,
Dies‘ kleine Spaßgedicht,
Und wie man’s dreht und wendet,
Wird’s das auch niemals nicht.

David Damm, 2018

Berlin

Die Großmutter fuhr nach Berlin,
Um dort um die Häuser zu zieh’n.
Nun läuft jede Stund‘
Das Telefon rund,
Denn Opa friert vor dem Kamin.

David Damm, 2016

Altenberge

Es schritt eine Dame durch Altenberge,
Als sie plötzlich schreckliche Falten bemerkte,
Im Schaufensterglas,
Was sie arg zerfraß,
So dass sie den Rock mit Metall verstärkte.

David Damm, 2016

Bergen

Es gab ’nen Bestatter in Bergen,
Der suchte nach seltsamen Särgen,
Ob Schuh oder Wanne,
Aus Gold oder Tanne,
Er fand sie bei den Sieben Zwergen.

David Damm, 2016

Kaiseritz

Es lebte ein Meister in Kaiseritz,
Der saß auf ’nem Kissen im Schneidersitz,
Von morgens bis spät
Hat er nur genäht,
Heraus kam ein schrecklicher Kleiderwitz.

David Damm, 2016

Park des Sieges

Парк Победы

Die Stadt liegt glorreich mir zu Füßen,
In rotes warmes Licht getränkt,
Vom Sockel hoch die Helden grüßen,
Ein Lächeln für die Welt geschenkt.

Tausend Steine, tausend Tränen
Pflastern jenen Weg zum Ziel,
Stahlbeton zum Himmel sehnend,
Leere weitet viel zu viel.

Um des Kreises Ehrenmal
Kriegsmaschinen und Geschwader,
Rostend, wartend, tot und kahl,
Versiegt des Krieges kalte Ader.

Ratternd tost es durch den Wind,
Bretter von der Rampe schießen,
Kinder lachen, fröhlich sind,
Niemals wieder Blut vergießen!

David Damm, 2007

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Der volle Mond


Am Abend zu der blauen Stunde
Schwingt sich der Mond auf seine Runde,
Sein Kopf ist voll, er leuchtet drall,
Er rutscht hinab und kommt zu Fall.
Die Nacht ist bitter klirrend kalt,
Am Schornstein gibt es keinen Halt.
Die Schindeln zittern, und mit Krach,
Er hält sich kurz noch an dem Dach,
Fällt er abrupt in’s Vogelnest,
Der Rabe schimpft: »Ist das ein Test?«
Da schwell’n dem Mond die Wangen an,
Dass er es kaum noch halten kann.
»Es tut mir leid«, würgt nun der Mond,
»Mir dreht es heut‘ so ungewohnt.«
Er rollt sich weiter, kreidebleich,
Und stürzt beinahe in den Teich,
Doch kurz davor, im Baumgeäst,
Verfängt er sich und hängt dort fest.
Der Rabe landet auf dem Baum,
Pickt Stück für Stück vom hellen Saum,
Bis er vom Mond nach bald zwei Wochen
Schier jeden Krümel abgebrochen.

David Damm, 2018

Sicherlich

Als ich die helle Sichel,
Die wie eine verwunschene Schale in der Nacht hing,
Hinter den kahlen Zweigen sichtete,
Öffnete ich den Sicherungskasten und fragte in die Nacht,
Ob der Winter bald verschwinden würde?

Der Mann, der sich dort oben häuslich eingerichtet hatte,
Klappte seinen Sichtschutz herunter
Und versicherte mir mit einem Augenzwinkern,
Dass nach zwei vollen Monden
Der Frühling in jeder Hinsicht Einzug halten werde.

David Damm, 2018

 

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