Silbenton

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Schlagwort: natur (Seite 2 von 3)

Augenblick II – Sommer

Er findet bald ein lauschiges Plätzchen,
Zwischen Algen, Hechtkraut, Anemonen,
Hat sofort ein Auge geworfen –
Auf die Rose – will bei ihr wohnen.
Sie willigt ein, bietet ihm Schutz
Vor dem brennenden Sonnenschein,
Erfreut über diese willkommene Geste
Möcht‘ er ewig mit ihr zusammen sein.

Schmetterlinge kreisen durch die Lüfte,
Schwalben zwitschern es über dem Teich,
Der junge Fisch und die blühende Rose
Einander vernarrt und zugeneigt.
Gemeinsam verbringen sie Tag um Tag,
Von herrlichster Früh bis spätester Stund‘,
Sie lachen, sie leben, sie lieben sich,
Beschließen den trautesten, festen Bund.

David Damm, 2005

Das ist die sommerliche Fortsetzung des Gedichts vom Fisch und der Rose. Hier gehts zum ersten Teil, der den Frühling beschreibt.

Die Arena

Schrille Schreie am frühen Himmel,
Zwischen roten Backsteinen unter’m blauen Dach.
Dutzende Mauersegler,
Ihre Runden ziehend
Wie aufgeregte Kinder auf dem Karussell.

Im Mittelpunkt die haushohe Tanne,
Die im Winter mit Schnee bedeckt
Und von Kerzenlichtern erhellt,
Allein und festlich steht sie da,
Bewacht den Hof mit ihrem dunklen Grün.

Im dritten Geschoss hängen Nistkästen,
Unter glänzenden Dachpfannen,
Über geöffneten Fenstern, in die der Sommer strömt.
Ein lautloses Gleiten und rastloses Segeln –
Wie schön ist die Luft!

David Damm, 2016

Amselstadtkind

Amselstadtkind

Eines Morgens hinter’m Haus
Hüpften durch des Morgentaus
Wassertropfen, hier und da,
Amselkind und Glitzer-Star.

Amsel,  auf der Brust befleckt,
Hat‘ den Zaun für sich entdeckt,
Und trotz kurzem Vogelschwanz
Hielt sie aufrecht die Balance.

In der schönen neuen Welt,
Hinterhof statt Wald und Feld,
Übte sie den Lobgesang,
Ja, so fängt ein Tag gut an.

David Damm, 2016

Sonnentag

Zwischen Grün behängten Bergen
Liegt ein Dorf im tiefen Tal,
Auf der Turmuhr schlägt es Sieben
Mit dem ersten Sonnenstrahl.

Ich spaziere durch die Straßen,
Mit der Sonne im Genick,
Grüße Freunde und genieße
Jeden warmen Sonnenblick.

Hinter’m Fluss am alten Garten,
Wo die Blumen zart gedeih’n,
Treff ich dich auf uns’rer Banke,
Ja, nur dich, mein Sonnenschein.

Ganz gewiss halt‘ ich dein Händchen,
Und ich schau in dein Gesicht,
Ach, wie brennt’s in mir so fröhlich –
Vorsicht vor dem Sonnenstich!

David Damm, 2016

Augenblick I – Frühling

Sanft sprudelt das Wasser der Quelle,
Zweige wiegen tanzend im Wind,
Zarte Knospen befreien sich des Mantels,
Die der Kälte verdrossen sind.
Lieblicher Duft verbreitet sich,
Erleuchtet das Farbenmeer,
Vogelstimmen erklingen hell,
Verzaubern den Wald so sehr.

Zaghaft beginnt ein neues Leben,
Dem der junge Fisch entspringt,
Unbeholfen platscht die Flosse,
Vom Rhythmus der Natur beschwingt.
Begibt sich auf die lange Reise,
Stets flussabwärts mit den Wellen,
Entdeckt die Welt mit großen Augen,
Verwunsch’ne Plätze und Gesellen.

David Damm, 2005

Amsel mit Bart

Eine Amsel mit krausigem Bart
Saß im Busch und hat mich angestarrt.
Sie trug grünes Moos,
Und dann flog sie rasch los –
Ab ins Nest.

David Damm, 2016

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Winterlinge

Auf von Schnee befreiten Wiesen,
Wo Natur schon bald gedeiht,
Knospen freudig winz’ge Blümchen,
Gold gekrönt mit grünem Kleid.

Weiße Glöckchen läuten leise,
Wenn der Wind geht – klingeling.
Überall erblüh’n die Pünktchen,
Eine Vielzahl Winterling’.

David Damm, 2016

Der Stieglitz

An einem Sommermorgen,
Der Himmel tief und grau,
Steh ich an einer Wiese
Und seh‘ die Vogelschau,
Seit Stunden ist’s im Gange,
Mit Sonnenaufgang schon,
Hier flattert’s und da zwitschert’s
In aufgeregtem Ton.

Ein dutzend kleiner Vögel
Erhebt sich mit dem Wind,
Mit rot getupften Köpfen
Und gelben Flügelbind‘,
Verziert mit weißen Bäckchen,
Die Schnäbel lang und spitz,
Bin ich erfreut und lausche
Dem Ruf des Stiegelitz.

David Damm, 2015

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Das Rotkehlchen

Auf zwei dünnen Nadelbeinchen
Hüpft es über Stock und Steinchen,
Zeigt sein leuchtend rotes Kehlchen,
Nippt an kühlen Wasserschälchen,
Stärkt das Stimmchen in der Brust,
Tiriliert mit Sangeslust.

David Damm, 2015

Im Grunewald

von David Damm

Die Blätter schimmern silbergold
Nach einem Stadtlandregen,
Die Sonne hat uns Glück gezollt,
Kaum Dunst liegt auf den Wegen.

Es knackt im Holz, dein scheuer Blick,
Die Luft so rein und klar,
Die Füße tragen Stück für Stück,
Mein Herz klopft sonderbar.

Die Wildschweinrotte wühlte tief
Am feuchten Wegesrand,
Hab keine Furcht, nichts gehet schief,
Fest halt′ ich deine Hand.

In Einsamkeit mit Sinnesruh
Durchschreiten wir den Wald,
Im Dunkeln sieht uns niemand zu,
Du zitterst, es wird kalt.

Ich lege meinen Arm um dich,
Mein allerliebstes Kind,
Und spürest du die Wärme nicht,
So ist′s der kühle Wind.

Bald rasten wir am Teufelssee
An einer Haselnuss,
Und flüchtig wie ein junges Reh
Schenkst du mir einen Kuss.

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Thema von Anders Norén.