Silbenton

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Kategorie: Lyrik (Seite 2 von 22)

Der Osterhase

Der Osterhas‘ mit Namen Lars
Saß früh bis spät im tiefen Gras
Und neben ihm ein Wasserglas.
Den Pinsel tunkte er aus Spaß
In rot, gelb, blau und grün wie Gras,
Gekochtes Ei, nicht ausgeblas‘,
Bemalte er nach Augenmaß,
Bevor er’s hungrig selber fraß.

David Damm, 2019

Die Vermessung der Buchwelt

Es ist nicht vermessen, auf die Messe zu gehen.
Schon gar nicht als Buchmessi.
Die Messlatte aber nicht zu hoch anlegen.
Beim Vermessen der Messestände
Mit messerscharfem Blick
Kann man sich leicht vermessen.
Durch diesen Messfehler passen am Ende
Nicht alle neuen Bücher ins Bücherregal.

David Damm, 2019

Gedichtebauanleitung

Ein Rezept zum Gedichteschreiben

Wer ein Gedicht verfassen mag,
Ob schlicht und kurz, ob episch lang,
Rotiere Zeichen hin und her und
Transportier’s mit schönem Klang.

Versuch‘ mit jedem Zeilensprung
Ein Saatkorn auszubringen,
Reizt es des Lesers Fantasie,
So keimt’s zu wundervollen Dingen.

Rätsel soll er lösen müssen,
Eins, zwei, drei, die unbekannt,
In dem Köpfchen muss es klingen,
Muss es rauchen im Verstand.

Tappt er nun ein Weil im Dunkel,
Aber kommt nicht auf den Sinn,
Klirre mit dem Zauberschlüssel,
Teil‘ mit ihm den Hauptgewinn.

Probier‘ es selbst, dann wirst du seh’n,
Ob es dir auch gelingen kann,
Ein Kunstwerk auszuformulieren,
Mach mit, du bist mit Schreiben dran!

David Damm, 2019

Zitronenfalter flieg

Zitronenfalter flieg
Hinüber zu den Blüten,
Auch wenn’s noch Winter ist,
Die Pollen sind am Wüten.

Zitronenfalter flieg,
Such dir die schönsten Blätter,
So frisch und herrlich Grün,
Bei allerblaustem Wetter.

Zitronenfalter flieg,
Den Hauch von Frühling spürend,
Im zickzack hin und her,
Die Menschen irreführend.

Zitronenfalter flieg
Und spanne deine Flügel,
Die Sonne steht schon tief,
Und leuchtet hinter’m Hügel.

Zitronenfalter flieg,
Zeig deinen gelben Schimmer,
Auch wenn die Nacht beginnt,
Gibt’s Schnee und Kälte nimmer.

Zitronenfalter flieg,
Sei uns der Frühlingsbote,
Beweis‘, dass dies Gedicht
Nicht nur ’ne Anekdote.

David Damm, 2019

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Das rote Pferd

Was macht das Pferd im Herd, wo es nicht hin gehört?
Es hat den Nachbarn, ständig wiehernd, nur gestört,
Da hat er es gepackt und knusprig braun gebackt,
Damit das Pferd ihm ein, zwei Mahlzeiten beschert.

David Damm, 2019

Abschied

An einem Morgen fand ich Spuren im Sand,
Und ich wusste, es waren die deinen,
Der Wind blies die Wellen über den Strand,
Und ich musste fürchterlich weinen –
Bis das Sandkorn aus meinem Auge verschwand.

David Damm, 2019

Der klare Fluss

Es fließt der Wodka durch meinen Rachen
Und stürzt meine Kehle hinunter,
Das bringt mein Gemüte herrlich zum Lachen
Und macht meinen Geist wieder munter.

David Damm, 2018

Drosophilatelist

Am Abend sitzt er wie gewöhnlich
Am reich gedeckten Küchentisch,
Er speist am liebsten saft’ges Obst,
Das gibt es jeden Tag ganz frisch.

Auf bunten Tellern angerichtet:
Geschnitt’ne Birnen, schon entkernt,
Fein filetierte Saftorangen,
Von Äpfeln Schale dünn entfernt.

Den süßlichen Gerüchen folgend
Setzt sich ’ne Fliege auf ein Stück,
Das Sammlerherz des alten Mannes
Hüpft jauchzend innerlich vor Glück.

Mit tausendfach erprobter Geste
Fängt er sie an den Flügeln ein,
Greift mit der and’ren Hand in’s Schubfach,
Dort muss die große Lupe sein.

Die Fliege nutzt den Suchmoment,
Entwischt, schwirrt fröhlich durch den Raum,
Und setzt sich frech, wie Fliegen sind,
Auf seinen Nasenspitzensaum.

Der Alte schielt, verdreht die Augen,
Ihm kitzelt’s, dass er niesen muss,
Die Fliege fliegt mit Pirouetten
Ins Licht hinfort und dann ist Schluss.

Ein leises Zischen, Rauch steigt auf,
Die Kerzenflamme, welch ein Fluch,
Der Mann enttäuscht, ach, so ein Pech,
Kein neues Sammlerstück für’s Buch.

David Damm, 2019

Werbepause

An jeder Ecke in Berlin
Tauchen Stadtbojen auf.
Einst Marktplatz für Ereignisse,
Jetzt nur noch Farbklecks
Im Stadtbild.

Den Weg weisend –
An der grünen rechts,
An den roten immer links –
Haben sie nur eine Botschaft:
»Entspann dich, heute keine Werbung!«

David Damm, 2019

Auf dem Weg zur Arbeit fielen mir die roten und grünen Litfaßsäulen auf. Keine Werbung mehr? Irgendwie schön und schön auffällig. Ich musste an der grünen rechts abbiegen, und wo ich links musste, stand eine rote Säule. Sie wiesen mir also tatsächlich den Weg. Schon seit einigen Tagen standen sie so farbig und leer da und schrien nach Aufmerksamkeit. Es juckte mir in den Fingern. Sie wollten nach einem Stift greifen und die riesigen Leinwände mit Urban Sketching verzieren. Das wär doch was: überall Kunst statt Werbung!

Stoffen

Ein Junge zog abends durch Stoffen,
Er böllerte, war sturzbesoffen,
Fontänen, die sprühten,
Raketen, die glühten,
Da hätt’s ihn fast selber getroffen.

David Damm, 2018

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2019!
Manchmal ist weniger eben doch mehr. Und manchmal ist gar nichts am meisten – für Umwelt und Natur. Feiert schön! 🙂

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Thema von Anders Norén.