Silbenton

Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Archive (Seite 2 von 25)

Ich mag

Ich mag, die Gipfel zu erklimmen,
Ich mag, durch breite Flüsse schwimmen,
Ich mag, auf wilden Pfaden gehen,
Ich mag, viel von der Welt zu sehen,
Ich mag, wie Schmetterlinge fliegen,
Ich mag, faul auf der Haut zu liegen,
Ich mag, wenn’s draußen stürmt und blitzt,
Ich mag, wenn du hier bei mir sitzt,
Ich mag kein schlechter Dichter sein,
Doch mehr als dich mag ich den Wein.

David Damm, 2022

Das Pferd

Da steht ein Pferd auf weiter Flur,
Der Wind fegt durch die Felder,
Das Pferd, ein Pony ist es nur,
Geht nimmer in die Wälder.

Denn eines Tages war es im Wald
Und trabte auf matschigen Wegen,
Da ward es zerstochen von Mücken alsbald
Und musste sich wochenlang pflegen.

Ein Bauer, der das Pferdchen sah,
Mit seiner müden Mähne,
Grub seine Hände in das Haar
Und striegelte die Strähnen.

Beim nächsten Mal nahm er das Maß
Mit einem langen Faden,
Vom Bauchumfang, das war ein Spaß,
Von Kopf und Hals und Waden.

Der Bauer ging zu seiner Frau,
Bat sie, sie sollt‘ was nähen,
Und tüchtig bis zum Morgengrau
War es ganz schnell geschehen.

Die Sonne scheint flach übers Feld,
An Gräsern hängen Tropfen,
Die Frau zieht hier, der Bauer hält,
Dann zerren sie und stopfen.

Im Nu ist nun das Werk vollbracht,
Das Pferd kann’s selbst nicht glauben,
Schwarzweiß gestreift, der Bauer lacht,
Das Zebrapferd muss schnauben.

Schnell spricht sich’s rum, Pony und Kleid,
Die Leute kommen und staunen,
Das Pony strahlt und wiehert breit,
Die Menschen beginnen zu raunen:

Einst stand ein Pferd auf weiter Flur,
Der Wind ging durch die Felder,
Das Pferd, ein Pony war es nur,
Geht seitdem in die Wälder.

David Damm, 2022

Auf dem Bahnsteig

Einen Fahrschein muss ich kaufen,
Um mich später auszuweisen,
Denn sonst glaubt die Schaffnerin,
Ich sei unerlaubt auf Reisen,
Doch wenn ich den Zettel habe,
Kann ich’s ihr damit beweisen.

Jetzt muss ich nur hoffen, warten,
Dass auf den verwaisten Gleisen
Bald mein Zug gefahren kommt,
Schnurgerade zieh’n die Schneisen
Durch den dichten Kiefernwald,
Bis zum Horizont liegt Eisen.

Winters Kälte lässt mich frieren,
So muss ich mit den Armen kreisen,
Von einem Bein aufs and’re hüpfen,
Um nicht am Bahnsteig festzueisen,
Die Dunkelheit setzt auch schon ein,
Was würd‘ ich einen Zug lobpreisen.

Allmählich knurrt mein leerer Magen,
Im Rucksack suche ich nach Speisen,
Find einen Keks, den Rest vom Tee,
Und horche auch auf die ganz leisen
Geräusche, die von Ferne dringen,
Doch sind’s in diesem Fall nur Meisen.

Ich spür, wie die Gedanken kreisen,
Auf leerem Bahnsteig, leeren Gleisen,
Mit leerem Magen ohne Speisen,
Ich seh mich schon als alten Greisen,
Als Vogelscheuche für die Meisen.
Ach, könnte ich doch endlich reisen!

Und die Moral von dem Gedicht?
Der Zug kommt pünktlich? Leider nicht.

David Damm, 2021

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Am Weihnachtsmorgen

Die sehnsüchtig erwartete Heilige Nacht
Hat tausende Sterne zu uns gebracht.

Noch gehen kaum Menschen auf den Wegen,
Die meisten von ihnen schlafen mit Segen.

Die Dächer sind weiß bedeckt und rau,
Mit Eisdiamanten statt Morgentau.

Eine geplusterte Taube sitzt auf dem Dach,
Sie gurrt und macht die Nachbarschaft wach.

Aus einigen Schornsteinen qualmt der Rauch,
Geschmückt steh’n die Tannen, wie es der Brauch.

Entpackte Geschenke steh’n unter dem Baum,
Der Duft von Zimtsternen schwebt durch den Raum.

Draußen von Ferne tönt Hundegebelle,
Es schlagen die Glocken der Kirchenkapelle.

David Damm, 2021

Wünsche und Gedanken

Wenn nur jeder, der sich wünscht,
Dass an Weihnacht unbedingt,
Schnee aus Wolken fallen müsse
Statt der nassen Regengüsse,
Wenn nur jeder, der dies wünscht,
Seine Wünsche und Gedanken
Widmete den Schwachen, Kranken,
Hätten wir mit Nächstenliebe
Alles was zu wünschen bliebe.

David Damm, 2021

Ein Sonnenstrahl

Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht,
Ich war verwirrt, denn es regnete nicht,
Da dachte ich, ich müsste gehen
Und mir die ganze Welt besehen.

Ich füllte die Taschen mit reichlich Proviant,
Denn die weite Welt ist ein großes Land.
Ich schritt frohen Mutes die Straße hinan,
Doch bald fing es heftig zu Schütten an.

Die Wolken der Welt hingen über mir fest,
Sie zogen nicht weiter, nicht Ost und nicht West,
Sie weilten und machten die Schleusen auf,
Das Wasser stürzte, ergoss sich zuhauf.

Ich kehrte heim, durchnässt bis aufs Hemd,
Die Haare klebten in die Stirn geschwemmt. –
Eine Kanne mit Tee, ein Brot mit Belag,
So stärkte ich mich, bis ich plötzlich erschrak:

Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht,
Ich war verwirrt, denn es regnete nicht,
Da dachte ich, ich müsste gehen
Und mir erneut die Welt besehen.

David Damm, 2021

Zum Advent

Ein Lichtlein haben wir entzündet,
Die Weihnachtskerze strahlt so hell,
Von alten Bräuchen her begründet.
Ein Lichtlein haben wir entzündet,
Das Wärme bringt, von Hoffnung kündet,
Und um uns funkelt – punktuell.
Ein Lichtlein haben wir entzündet,
Vier Weihnachtskerzen strahlen hell.

David Damm, 2021

Ich wünsche euch mit diesem kleinen Gedicht einen schönen 4. Advent und besinnliche Feiertage!

Weisheit

Weisheit
Ergibt sich,
Sobald der Mensch
Erkennt, die Fehler anderer
Nachzusehen.

David Damm, 2021

Dieses Elfchen entstand im Rahmen der Aktion #ElfchenZumElften von „Dein Poet“ zum Thema Wesentliches.

Mandarinente

Am letzten Wochenende habe ich auf der Krummen Lanke mehrere Mandarinenten gesehen. Das schillernd bunte Federkleid der Männchen erstrahlt im Vergleich zu den heimischen Enten wie ein edles, prachtvolles Ballkleid. Und das eigentlich jeden Tag und nicht nur zu besonderen Anlässen. Die Mandarinente gehört zu den Glanzenten und glänzen, das kann sie, keine Frage. Der Name soll irgendwie mit dem Kaiser von China in Verbindung stehen, aber bei mir, löst die Mandarinente, die ich häufiger in der Vorweihnachtszeit erblicke, eher die Assoziation von saftigen Mandarinen aus. Woran das wohl liegen mag? 🙂

Wer seinen Kopf verrenkt und ein bisschen knobelt, kann im Nikolausstiefel eine Frage finden, die ich mir stelle…
Mandarinente

Aufregend

Ein Reh steht im Regenwald, es will sich nicht regen,
Weil der Regen unentwegt aufs regungslose Rehfell fällt.
Angeregt beobachtet das Reh einen winzigen Regenwurm,
Wie er sich durch die regennassen Pfützen windet.

David Damm, 2021

Vorm Fenster

Eine Haiku-Gedichtkette

Verlorenes Laub
Bedeckt den feuchten Boden
Mit bunten Farben.

Eichhörnchen vergräbt
Die gefundene Walnuss
Für schlechte Zeiten.

Kindergemurmel
Zieht vor dem Fenster vorbei,
Laternen leuchten.

Augen erstrahlen,
Kerzen flackern atemlos,
Bald ist Weihnachten.

Schneeflocken treiben,
Eisblumen in den Fenstern,
Die Glocken schlagen.

David Damm, 2021

Das letzte Gericht

Die weiße Gans steht ganz entzückend
Auf bunter Wiese Blümchen pflückend,
Hans steht am Zaun, er lächelt, lacht,
Bestaunt die Gans in ihrer Pracht.

Sie zupft am Federkleid, sich schmückend,
Doch dann droht dicke Luft – bedrückend,
Das schwere Gattertor geht auf,
Die Gans ist klug – macht Dauerlauf.

Der Bauer hinkt auf krummen Krücken,
Er flucht, verdammt, aus vollen Stücken:
»Du dumme Gans bleib endlich hier,
Ich krieg dich schon, du blödes Tier!«

Der Bauer schnauft und will sich bücken,
Da schießt ihm Schmerz in seinen Rücken,
Die Gans quietscht laut vor Angst und Schreck,
Der Bauer schwankt und sitzt im Dreck.

Rasch nimmt er ein paar Whiskeyschlücke,
Auf dass sein Leiden sich verdrücke,
Und als er wieder um sich sieht,
Sieht er noch wie die Gans entflieht.

Das Tor steht offen, schwups, ruckzück,
War sie entfleucht, kein Blick zurück,
In weiter Ferne wippt der Schwanz,
Und Hans macht einen Freudentanz.

Die Gans gerettet, ganz im Stück,
Der Hans ist außer sich vor Glück,
Er wünscht ihr noch ein langes Leben,
Von vielen Gänseklein umgeben.

David Damm, 2021