Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Schlagwort: kaffee (Seite 1 von 1)

Blind Date

Eine junge Frau, ihr Name ist Britta,
Geht nachmittags in ein Cafe,
Verabredet ist sie mit einem Ritter,
Vielleicht eine dumme Idee?

Er ist schon da und spielt auf der Zither,
Die Rüstung, die rostet und quietscht,
Ein trauriger Anblick, kein Glamour und Glitter,
Womit hat sie das nur verdient?

Sie bestellt sich Kaffee und Mandelsplitter,
Der Anstand gebietet es ihr,
Der Kuchen ist trocken, der Kaffee ist bitter,
Rasch zahlt sie, es ist kurz nach Vier.

Beim Gehen verfängt sich ihr Absatz im Gitter,
Sie schwankt und greift nach dem Tisch,
Die Tischdecke fliegt und der Kaffee Melitta
Ergießt sich dem Ritter im Schritt.

David Damm, 2021

Tete-a-Tete

Ich sitze im Cafe
Am Ufer von der Spree,
Bestelle mir Püree,
Kopfschüttelnd sagt sie: »Nee,
Bei uns gibt’s nur Kaffee,
Ein Kännchen Minzetee,
Rhabarberkirschbaiser, … «

Ich stoppe sie: »Okay,
Ich nehm‘ Cafe au Lait,
Ein Stück von dem Baiser
Mit schön viel Sahneschnee.«

Sie nickt und macht ’nen Dreh,
Es schmerzt in mir, o weh,
Sie steht auf meinem Zeh.
»Oh nein«, sagt sie, »herrje,
Ich schusseliges Reh,
Ich schenk dir ein Baiser« –
Und gibt mir einen Kuss.

David Damm, 2019

Der Wachmacher

Am Morjen um Fünfe kriech ick aus dem Bett,
Ick quäle und schlepp mir auf Eichenparkett
Zum Frühstück und knipse dit Radio an,
Es dudelt und quasselt der Nachrichtenmann.

Und weil ick vor Müdigkeit nüscht weiter schaffe,
Drum gönn ick mir erstmal zwee Kaffee mit Kaffe.
Die schwärzeste Brühe mit Zucker muss her,
Sonst klappt mir dit Ooge, die Lider so schwer.

Ick kipp mir dit dampfend Jesöff in die Birne,
Nun arbeitet’s wieder in meenem Jehirne,
Ick fühl mir lebendig, so richtig doll wach,
Und wünsch dir, meen Lieba, nen blendenen Tach.

David Damm, 2017

Café Mahlsdorf

»Nehmen Sie schon mal Platz«,
Sagte die Gemahlin des Hauses
Und servierte ein kühles Malz
Mit frisch gemahlenem Kaffee.
Manchmal erklangen Worte,
Die Worte malten Bilder
Und setzten ein Denkmal im Kopf.
Tausendmal hörte ich zu,
Malträtierte meine Gedanken,
Und zum ersten Mal
Nahm ich ein schmales Licht wahr –
Vor der Tür rauchte jemand Marlboro.