Die Bienen summen durch Wiesen und Klee. Die Rehe äsen an der Havelchaussee. Die Hasen hoppeln auf der Jägerallee. Die Vögel trällern eine Liedchenidee. Die Hummeln brummen auf ihrer Blüten-Tournee. Die Eichhörnchen springen durch Wipfel, juchee. Die Rotfüchse trotten durchs Kudamm-Karree. Die Wildschweine schwimmen im Teufelssee. Zusammengefasst als kurzes Resümee: Nur Menschen verdummen vor dem PC.
Ein Mensch geht durch ein kluges Land, Sieht Städte sich mehren wie Körner im Sand, Und bald schon steht er auf einem Gipfel, Ein eisiger Wind weht durch die Wipfel, Die Aussicht ist bombig, doch gibt’s eine Tücke: Zu Füßen klafft eine riesige Lücke.
Der Regen peitscht auf, durchdringt seine Sachen, Der Rückweg versperrt durch Bäume, die krachen, Die Wolken verdunkeln, gleich kommt ein Gewitter, Steht er dann noch oben, so trifft es ihn bitter, Am Abgrund wird’s laut, sein Blick wird trüber, Wer hilft dem Gesell‘ schaf(f)t er es hinüber?
David Damm, 2022
Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit. Die 4. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Gedicht mit einem Bruch in der Mitte.«
Der Mensch fliegt hin, der Mensch fliegt her, Die Welt liegt ihm zu Füßen, Er staunt ob der Naturschönheit, Genießt die Freiheit und die Zeit, Nach Hause lässt er grüßen.
Ein Kuss fliegt hin, ein Kuss fliegt her, Die Freundschaft ist gefunden, Und manches tolle Exemplar Verliebt sich in den andern gar, Gefolgt von heißen Stunden.
Ein Wort fliegt hin, ein Wort fliegt her, Bis Kopf und Stimme glühen, Sich gegenseitig heftig fetzend Trifft manches Wort, ist stark verletzend, Für’s Schlichten kein Bemühen.
Die Faust fliegt hin, die Faust fliegt her, Die Schneidezähne krachen, Die Prügelei zieht sich ein Weilchen, Der eine trägt nun rechts ein Veilchen, Doch keiner gibt den Schwachen.
Ein Stein fliegt hin, ein Stein fliegt her, Am Kopf platzt eine Wunde, Das Blut rinnt über’s weiße Hemd, Der Gegner krümmt sich aufgestemmt, Nun kommt’s zur letzten Runde.
Ein Schuss fliegt hin, ein Schuss fliegt her, Die Kugeln surren, zischen, Der Kampf, nur sinnloses Gefecht, Am Schluss hat niemand gut und recht, Denn viele wird’s erwischen.
Ein Kuss fliegt hin, doch keiner her, Die Mutter steht am Grabe, Die Wangen feucht, der Blick so leer, Das Herz für allezeit ihr schwer – Ach Mensch, ist Dummheit eine Gabe?
Es lebte in einem versteckt dunklen Wald Ein Rabe von finsterster Vogelgestalt. Die Brüder und Schwestern warf er aus dem Nest, Die rabigen Eltern stieß er vom Geäst, Er wollte nichts teilen, denn alles war sein, Der Rabe war gierig und tückisch gemein.
Es lebte an einem hell plätschernden Fluss Ein Bär, der schon lange gelebt haben muss, Am liebsten lag er auf dem faulen Pelz Am quirligen Ufer auf kühlendem Fels, Die Fische, die sprangen und konnten froh sein, Er mochte nur Träumen von Honig allein.
Es lebte an einem sehr fruchtbaren Feld Ein Mensch, der den Acker mit Saatgut bestellt‘, Er schuftete täglich von früh bis zur Nacht, Er hat nur an’s Wohl der Familie gedacht, Doch wegen der Arbeit blieb ihm wenig Zeit Für Frau und die Kinder und Herzlichkeit.
Im Abendlicht zog es den hungrigen Bär Zum Hause des Bauern, es lockte ihn sehr Der süßliche Duft, ein Topf stand vor’m Haus – Rhabarbar mit Honig – und kühlte noch aus. Der Bär schlich sich vorsichtig tastend heran, Er spitzte die Ohren – doch was geschah dann?
Der Rabe flog über den Bären hinweg, Er kreiste und suchte den lohnensten Fleck. Er stürzte hinab auf den Acker und fraß Die Körner so schnell, dass er leider vergaß, Sich zu vergewissern, dass niemand ihn stört, Doch hatte der Mensch längst das Krächzen gehört.
Der Mensch wurde wütend, nahm Kimme und Korn, Und schoss mit der Flinte, er tobte vor Zorn. Es stoben die Federn des Raben umher, Er krächzte noch einmal, dann war er nicht mehr. Der Bär nahm die Tatzen geschwind in die Hand Und schwamm über’n Fluss, wo der Mensch ihn nicht fand.
Am ganz frühen Morgen erwachte der Bär, Die Sonne ging auf und er wusste nicht mehr, Was gestern geschehen, die Sorgen war’n fort – Ein Töpfchen Rhabarber mit Honig stand dort. Und wenn dieser Bär nicht gestorben ist, Dann sitzt er noch immer am Ufer und frisst.
David Damm, 2020
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge verfasst.