Silbenton

Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

Schlagwort: vögel (Page 1 of 2)

Der volle Mond


Am Abend zu der blauen Stunde
Schwingt sich der Mond auf seine Runde,
Sein Kopf ist voll, er leuchtet drall,
Er rutscht hinab und kommt zu Fall.
Die Nacht ist bitter klirrend kalt,
Am Schornstein gibt es keinen Halt.
Die Schindeln zittern, und mit Krach,
Er hält sich kurz noch an dem Dach,
Fällt er abrupt in’s Vogelnest,
Der Rabe schimpft: »Ist das ein Test?«
Da schwell’n dem Mond die Wangen an,
Dass er es kaum noch halten kann.
»Es tut mir leid«, würgt nun der Mond,
»Mir dreht es heut‘ so ungewohnt.«
Er rollt sich weiter, kreidebleich,
Und stürzt beinahe in den Teich,
Doch kurz davor, im Baumgeäst,
Verfängt er sich und hängt dort fest.
Der Rabe landet auf dem Baum,
Pickt Stück für Stück vom hellen Saum,
Bis er vom Mond nach bald zwei Wochen
Schier jeden Krümel abgebrochen.

David Damm, 2018

Stunde der Wintervögel 2018

Vom 5. bis zum 7. Januar fand die Stunde der Wintervögel statt. Der NABU ruft seit 2011 alle Freiwilligen dazu auf, an der Vogelzählung teilzunehmen, um so die Bestände überall gleichzeitig erfassen zu können. Der Termin wird immer auf ein Wochenende von Freitag bis Sonntag gelegt, um möglichst vielen Naturfreunden die Teilnahme zu ermöglichen. Dazu muss man sich nur für eine Stunde an einen Ort der Wahl in die Natur begeben und dort die maximal erspähte Anzahl jeder anwesenden Vogelart notieren. Am besten hat man ein Fernglas dabei und gegebenenfalls ein Bestimmungsbuch oder die App »NABU Vogelführer«. Die Ergebnisse werden dann über ein Online-Formular beim NABU eingegeben.

weiterlesen

Du fühlst

Du fühlst dich
Mit deinem flammend weißen Tüllkleidchen
Wie ein schwarzes Schaf
Unter flatternden Flamingos.
Tausend Augenpaare,
Nur auf dich gerichtet,
Das Wasser bis zu den Knöcheln,
Mit schlotternden Knien.
Du sprichst und sagst
Mit dem dir gewachsenen Schnabel:
Ja.

David Damm, 2017

Der junge Stieglitz

Abends wander‘ ich durch Steglitz,
Von der Arbeit mausetot,
Und da sitzt am Weg ein Stieglitz
Frisch betupft mit Gelb und Rot.

Helle Freude wiegt sein Antlitz,
Eifrig pickt er Krumen Brot, –
Doch dann flieht er wie ein Potzblitz,
Weil er glaubt, er wird bedroht.

Fort entschwunden durch den Zaunschlitz,
Fliegt er weit in seiner Not,
Und so tönt das Lied des Stieglitz
Durch das müde Abendrot.

David Damm, 2017

Amsels Abendgesang

Hoch oben
Auf einem dünnen wiegenden Aste
Saß die Amsel, tiefschwarz,
Und sang in den blauen Wind.
Aus voller Kehle erzählte sie –
Dem rauschenden Wasserfall,
Dem donnernden Flugzeug,
Der surrenden Seilbahn,
Den ruhenden Spaziergängern –
Von ihrem blumigen Tag.

David Damm, 2017

Englischer Garten mit Tulpen auf der IGA (Gärten der Welt)

Frühling im Anflug

Der Tag beginnt noch einmal blau, ich höre die Wildgänse rufen. Zwischen den kahlen Ästen der Bäume kann ich sie nicht erspähen.

Mittags zeichnet sich eine kleine Wolke ab, ganz zart verwirbelt weht sie über den Himmel. Ein Schwarm Graugänse, jetzt ist mein Blick frei, zieht nach Osten. Die vordere V-Formation birgt zweihundert Tiere, die zweite etwa fünfzig. Ihre Schreie gellen über die Stadt. Tausende fliegen im Laufe des Tages über Berlin.

Nachmittags verdichten sich die Wolken. Die Sonne sucht sich ihren Weg und ergießt ihre Strahlen aus dem goldenen Schmelztiegel in die Zwischenräume.

Rasch wird es dunkel, das Restlicht ist um 6 verschwunden. Ich schwitze in meiner Winterjacke. Mütze, Schal und Handschuhe landen als überflüssiger Ballast im Rucksack. Es beginnt zu tröpfeln. Von den feuchten Straßen steigt ein Duft hinauf, genau so wie nach einem warmen Sommerregen. Es riecht nach Frühling.

16. Februar 2017

Der Neuntöter

Es war zu einer alten Zeit
Der Helden und Legenden,
Die Wälder tief, die Täler breit,
Als wollten sie nicht enden.

Auf einem Berg kam es zur Schlacht,
Am Drachenhöhlenfelsen,
Die Ritter starben, alle acht,
Geköpft an ihren Hälsen.

Mit tausend Wunden übersät,
Der Drache auch verschied,
Ein Vogel hat vom Baum gekräht
Und sang ein Abschiedslied.

Ein Hirte kam mit seinem Stab,
Er galt als Schwerenöter,
Er sah den Vogel und das Grab:
»Das war der Neunetöter!«

David Damm, 2016

Der Hausspatz

spatzen-am-meisenknoedel

An einer Ecke in Berlin
Schwingt an ’nem Straßenschild
Ein Meisenknödel hin und her,
Und macht die Spatzen wild.

Sie kommen aus dem Waldgesträuch
Und piepsen keck mit Lust,
Ein Sonnenblumenkern, der schmeckt,
Und stärkt die schmale Brust.

Die Menschen fegen durch das Laub,
Die Spatzen fliegen flach,
Sie stieben fort als flinker Schwarm,
Und landen auf dem Dach.

Der Schornstein raucht, der Himmel blaut,
Die dünnen und die dicken,
Die hocken sich im Sonnenschein
Auf’s Fensterbrett und picken.

Der Giebel ist aus rauhem Holz,
Dahinter Gelb vom Stroh,
Ein Spatz schlüpft durch den engen Spalt,
Und haust dort warm und froh.

November liegt schon in der Luft,
Es tschilpt ein kleiner Matz,
Gefüttert werden möcht‘ er liebst
Von seinem Elternspatz.

David Damm, 2016

 

Page 1 of 2

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: