Der Regen peitscht, die Sonne lacht, Und Wind lässt Zweige tanzen. Die Blumenglöckchen sind erwacht, Der Regen peitscht, die Sonne lacht, Die Knospen tragen weiße Tracht Und Gärtner viele Pflanzen. Der Regen peitscht, die Sonne lacht, Und Wind lässt Zweige tanzen.
Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht, Ich war verwirrt, denn es regnete nicht, Da dachte ich, ich müsste gehen Und mir die ganze Welt besehen.
Ich füllte die Taschen mit reichlich Proviant, Denn die weite Welt ist ein großes Land. Ich schritt frohen Mutes die Straße hinan, Doch bald fing es heftig zu Schütten an.
Die Wolken der Welt hingen über mir fest, Sie zogen nicht weiter, nicht Ost und nicht West, Sie weilten und machten die Schleusen auf, Das Wasser stürzte, ergoss sich zuhauf.
Ich kehrte heim, durchnässt bis aufs Hemd, Die Haare klebten in die Stirn geschwemmt. – Eine Kanne mit Tee, ein Brot mit Belag, So stärkte ich mich, bis ich plötzlich erschrak:
Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht, Ich war verwirrt, denn es regnete nicht, Da dachte ich, ich müsste gehen Und mir erneut die Welt besehen.
Manche Menschen brauchen viel: Sonnenstrahlen, Wärme und Hitze. Mit jedem Grad, das empor klettert, Steigen deren Laune, Lust und Lebendigkeit. Ab fünfunddreißig Grad Außentemperatur Fühlen sie sich pudelwohl Und zeigen ihre schlanke Badefigur.
Andere Menschen brauchen viel: Schatten, Frischluft und Kühle. Mit jedem Grad, das empor klettert, Nimmt deren Befinden und Bewegungsdrang ab. Ab fünfundzwanzig Grad Außentemperatur Fühlen sie sich hundeelend Und verstecken ihre verschwitzte Frisur.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Hundstage« verfasst.
An einer Holzhütte habe ich mein Pausenlager aufgeschlagen, Auf der ungeschützten Bank sitze ich niedergeschlagen da. In den Tälern und Niederungen beginnt es kräftig zu regnen, Es trifft mich wie ein Faustschlag in die Magengrube. Aus den schwarzgrauen Wolken prasseln die fetten Tropfen hernieder, Hin und wieder ein grelles Zucken – Blitzeinschlag gefolgt von Donner. Niedergekauert drücke ich mich an die Wand, verwünsche den Wettergott, Schon versiegt schlagartig der Wasserfall, Hoffnung keimt in mir auf. Ein Sonnenstrahl fällt nieder auf mein Haupt, in der Ferne ein Regenbogen, Dieses Signal ist ausschlaggebend für meinen neu gefassten Mut: Ein guter Zeitpunkt, mich von meiner Niederlassung zu erheben Und jedem weiteren Niederschlag zum Trotz meine Reise fortzusetzen.
Natur Erwacht allmählich, Blasse, schwache Konturen, Endlich den Schleier lüften, Leben.
David Damm, 2021
Gestern begann der Tag mit Nebel. Der Wetterbeobachtungsturm auf dem Fichtenberg war nur noch ganz schwach zu sehen. Die Sichtweite betrug einen Kilometer. Meteorologisch gesehen spricht man aber erst bei weniger als einem Kilometer von Nebel.
Hier noch ein Verweis zu zwei dazu passenden, älteren Beiträgen: Nebelleben (Palindrom) und Leben im Nebel (Foto).
Es ist Winter. Und in einem ordentlichen Winter sollte es auch schneien. Den schlimmsten Winter seit langem gab es 1978/1979. Meterhoch lag der Schnee selbst in Berlin und weiter im Norden. Ganze Inseln und Ortschaften waren von der übrigen Welt abgeschnitten, Telefon- und Stromnetze brachen zusammen. Die Menschen mussten Tage, wenn nicht sogar Wochen, ausharren, um Hilfe von außen zu bekommen. Oder sie warteten auf steigende Temperaturen, die der Beginn des Frühlings im März und April versprach.
Mitte Dezember 2020 sitze ich zuhause am Fenster. Meine Füße sind auf der warmen Heizung abgelegt und ich blicke verträumt nach draußen. Berlin ist grau. Graue Wolken. Graue Straßen. Doch plötzlich weht etwas Unbekanntes durch die Luft. Etwas kleines, das leicht im Wind segelt, ja, geradezu wie ein Engel herab schwebt. Und als es auf die Erde trifft, löst es sich in Wohlgefallen auf. So schnell wie es erschienen war, ist es auch wieder verschwunden. Ich frage mich, ob ich halluziniere, aber nein, da sehe ich noch ein Flöckchen. Und noch eines. Tatsächlich, es sind weiße, zarte Schneeflöckchen. Ich möchte das Fenster aufreißen und hinaus schreien: »Hurra, es schneit!« Doch ich reiße mich zusammen. Die drei Flöckchen lassen sich an einer Hand abzählen. Hier von Schneefall zu sprechen, wäre stark übertrieben. Nein, es ist auch wirklich kein Hagel, auch kein Graupel. Es ist kein Nieselregen. Ich würde ja sagen, und das trifft es tatsächlich am besten: es schnieselt. Seelenruhig fallen hier und da die weißen Eiskristalle hernieder, dass es dem Kinderherzen eine Freude ist, sie zu betrachten, wie sie langsam aus dem grauen Grau hinab trudeln.
In den Berliner Nachrichten wird von gelegentlichem Schneefall gesprochen. Im Fernsehen steht eine Meteorologin in Dresden vor der Semper-Oper und spricht sogar von einem Schneesturm, währenddessen große, aber doch nur wenige, Schneeflocken über ihr herab rieseln und keineswegs liegen bleiben. Ein Sturm ist es auch nicht, denn die Flocken wehen nur leicht im Wind. Ich hätte einfach gesagt, dass es schneit. Es sieht so aus, als müssten wir die Sprache und Begriffe des Wetters in Zeiten der Klimaerwärmung neu definieren.
Während ich am Fenster saß und diese Beobachtung machte, suchte ich nach einem Begriff, der schwachen Schneefall beschreiben kann. Bei schwachem Regen spricht man häufig von Nieselregen oder kurz Niesel. In Analogie dazu erschuf ich das Wort Schniesel, also Schnee-Niesel. Eine Internetsuche brachte dann aber zum Vorschein, dass ich nicht der erste war, der diesen Gedankengang hatte, wie man z. B. hier beim Tagesspiegel nachlesen kann.
Gestern am frühen Abend hatte es über Berlin Regen und Gewitter gegeben, was sich schon zur Mittagszeit mit seltsam bedrohlichen Wolkenformationen andeutete. Ich war unterwegs, sah in den Himmel und dachte zunächst: wie schön, ein Regenbogen. Mich wunderte nur, dass der so blass war und die Sonne auch gar nicht in meinem Rücken stand. Ich sah genauer hin und stellte fest, dass es sich um einen Ring handelte, der eine Wolke fest umschloss. Und siehe da, links davon, etwas schwächer, gab es weitere Ringe. Faszinierend! Ich schoss ein Beweisfoto und betrachtete das Schauspiel noch einen Augenblick. Meine Phantasie wurde beflügelt und suggerierte mir bald darauf ein schwebendes Raumschiff über Berlin. Das Raumschiff Enterprise!
Möglicherweise handelt es sich hierbei um das Wetterphänomen der Lenticularis-Wolken (Linsen-Wolken). Was mich jedoch irritiert: eine Internetsuche brachte hervor, dass diese in der Nähe von Bergen oder Gebirgen entstehen. Weiß jemand mehr dazu?
Der Tag beginnt noch einmal blau, ich höre die Wildgänse rufen. Zwischen den kahlen Ästen der Bäume kann ich sie nicht erspähen.
Mittags zeichnet sich eine kleine Wolke ab, ganz zart verwirbelt weht sie über den Himmel. Ein Schwarm Graugänse, jetzt ist mein Blick frei, zieht nach Osten. Die vordere V-Formation birgt zweihundert Tiere, die zweite etwa fünfzig. Ihre Schreie gellen über die Stadt. Tausende fliegen im Laufe des Tages über Berlin.
Nachmittags verdichten sich die Wolken. Die Sonne sucht sich ihren Weg und ergießt ihre Strahlen aus dem goldenen Schmelztiegel in die Zwischenräume.
Rasch wird es dunkel, das Restlicht ist um 6 verschwunden. Ich schwitze in meiner Winterjacke. Mütze, Schal und Handschuhe landen als überflüssiger Ballast im Rucksack. Es beginnt zu tröpfeln. Von den feuchten Straßen steigt ein Duft hinauf, genau so wie nach einem warmen Sommerregen. Es riecht nach Frühling.
Die Buchen sollst du suchen!
Die Linden wirst du finden!
Von Eichen sollst du weichen!
Die Weiden musst du meiden!
Bei Eiben kannst du bleiben!
Bei Tannen zieh von dannen!
Bei Fichten – Schluss mit Dichten!