Das Blog für Lyrik, Prosa, Musik und Ton.

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9 Minuten

Es geht los! Ich starte ein neues Projekt namens »9 Minuten«. Es geht wieder mal ums Schreiben. Der Startschuss dafür fiel gestern am 9.9.2016 – das einzig richtige Datum mit den drei Neunen. 😉
Wenn du wissen willst, was sich dahinter verbirgt und wie es genau funktioniert, dann schau einfach im neuen Blog vorbei.

Die Uhr tickt!

9minuten.wordpress.com

Lesung am Wannsee

Segelschiffe treiben wie Dreiecke über den Wannsee. Zwischen den Wolken lugt ein Diamant hervor und glitzert zu Tausenden im Wasser. Die durstigen Blätter der Linde rauschen im Wind. Eine Möwe fliegt hoch am Himmel, ein Kormoran knapp über der Wasseroberfläche.
Am Ufer ist eifriges Geplauder zu vernehmen. Weiße klapprige Plastikstühle wurden in der Rotunde aufgereiht. Auf der bemoosten halbrunden Steinbank stehen Bier- und Weingläser und unterhalten sich. Eine Frau mit blonden Haaren spricht den jungen Mann neben mir an. Heute sei Open-Air am Gleisdreieck. Oder am Kranzlereck? Und morgen am Sonntag gibt es Horst Evers.
»Ick weeß die Uhrzeit nich«, sagt sie.
»Ick hab den schon oft jesehn, aber noch nich jehört.«
Doch jetzt kommt erstmal Gott.

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Hannover

Studenten sitzen in ihren Dachfenstern. Sie wohnen alle im selben Haus, womöglich im gleichen Aufgang. Sie haben sich ein Kissen oder eine Decke auf das Fensterbrett gelegt und lesen ein Buch oder tippen auf dem Smartphone. Auf einer begrünten Dachterasse bügelt ein Mann nackt seine Wäsche. Valentin Klein verkünden große Buchstaben an der Hauswand. Der Zug fährt in den Hauptbahnhof ein – Willkommen in der Messestadt. An einer Fassade gegenüber des Bahnsteigs steht gesprayed »Slam loves H’over«. Daneben eine kleine Sprechblase mit einem gelben zwinkernden Smiley: »Me not. Moses.« Eine Partei hat ganz Hannover im Blick. Die Sonne scheint rot. Es stehen Wahlen an. Der Himmel ist weiß zerfedert mit einem Schimmer von Blau. Einen Augenblick später rast der Zug aus der Stadt. Die Strommasten biegen sich. Vorbei an Baracken. Vorbei an Graffiti. »H’over loves you.«

Hannover1

 

Metadaten – Mehr Sichtbarkeit für mein Buch

In einem Webinar, das von Books on Demand (BoD) veranstaltet wurde, ging es darum, wie ich die Reichweite meines Buches erhöhen und damit mehr Leser erreichen kann. Ganz konkret: Wie kommen die Leser zu meinem Buch? Das Schlüsselwort heißt »Metadaten«.

Was sind Metadaten?

Metadaten sind Katalogdaten und liefern zusätzliche Informationen zum Buch. Neben typischen Daten wie Buchtitel, Autor, Verlag, Cover und Klappentext, beschreiben Metadaten das Buch, den Inhalt oder die Zielgruppe des Buches genauer. Metadaten sind zum Beispiel

  • übergeordnete Daten, d.h. Erscheinungsdatum, Sprache, Land
  • physische Attribute, d.h. Art des Umschlags, Seitenanzahl, Buchgröße, Gewicht
  • inhaltliche Zusatzinformationen, d.h. geografische oder zeitliche Angaben zur Handlung, Schlagworte

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Berlin-Gesundbrunnen

Es ist Freitag. Feierabend. Kurz vor halb sechs. Auf dem Fernbahngleis fährt ein Sonderzug ein. Die Bremsen quietschen ohrenbetäubend bis der Zug in voller Länge am Bahngleis ruht. Mir fällt das Lied von Pankow ein, doch dieser soll nach Warnemünde an die Ostsee fahren.
Der kümmerliche Sommer meldet sich mit zaghaft steigenden Temperaturen zurück, so dass es für diejenigen, die ans Meer wollen, ein schönes Wochenende werden könnte. Auf dem Zug steht »Cruise Train Berlin«. An den Waggontüren sind weiße A4-Zettel mit seitenfüllenden Buchstaben angebracht. Von Wagen zu Wagen steigen sie in alphabetischer Reihenfolge von A bis G oder H an.

Im Wartehäuschen auf dem Bahnsteig sitzt ein junger Mann allein. In dem gläsernen Haus hockt er auf der harten Bank. Er fühlt sich unbeobachtet. Ich kann jedoch zwischen den in Brusthöhe aufgeklebten horizontalen Sichtschutzstreifen hindurch sehen. Das ist nicht schwer. Drei schmale Streifen können keine Privatsphäre spenden. Das ist auf einem Bahnsteig nicht nötig.
Nach vorn gebeugt zückt er ein Feuerzeug. Die Flamme will nicht zünden. Er versucht es noch einmal. Er hat das Ventil bis Anschlag aufgedreht und hält die große, rotgelbe Flamme unter ein Stück Alufolie. Sein Kopf senkt sich darüber und er atmet mit einer selbst gedrehten Zigarette den Dampf tief und ruhig ein. Sein Blick geht nur auf das Stück Alupapier. Das Schild mit dem Rauchverbot muss er übersehen haben.

Berlin Gesundbrunnen

Eine Reiseleiterin schwenkt zwei Zettel mit den Zahlen 14 und 15 über ihrem Kopf. Kurz darauf folgt eine bunte, aufregend schnatternde Truppe und sie steigen in den vorletzten Wagen des Zuges mit dem Buchstaben A ein. Die Sprachfetzen, die ich wahrnehmen konnte, hörten sich Englisch an.
Aber warum ein Sonderzug, ist irgendein besonderes Event in Warnemünde? Ich grübele, bis mir einfällt, dass im Sommer die Hanse Sail statt findet. Aber das kann nicht sein, denn die war schon am letzten Wochenende. Vielleicht sollen die Berliner und die Touristen einfach entspannt mit dem Zug zur Ostsee »cruisen«.

Die Automatiktüren des Wartehäuschens öffnen sich und ein älterer Mann nimmt mit seinem Rollkoffer auf der zweiten Sitzreihe Platz. Ich gehe noch einmal ein paar Schritte am Häuschen vorbei. Der andere Mann ist verschwunden. Mein Zug müßte nun jeden Moment einfahren.

Das Kofferwort

Ein Kofferwort setzt sich in der Regel aus zwei Wörtern zusammen. Dabei überlappen sich diese so, dass das Ende vom ersten Teilwort den Beginn des zweiten Teilwortes bildet. Ein einfaches Beispiel:

Sommerabend + Abendmahl = Sommerabendmahl

Sommerabendmahl ist ein reines Kofferwort, da beide Teilwörter vollständig enthalten sind. Es gibt jedoch auch unreine Kofferwörter, die so miteinander verschmolzen sind, dass von den Teilwörten nur Bruchstücke übrig geblieben sind. Sehr bekannt ist zum Beispiel das eingedeutschte Wort »Brunch« bestehend aus »Breakfast« und »Lunch«. Aus den vorhandenen Buchstaben von »Brunch« lassen sich nicht die ursprünglichen Wörter herleiten.

Johannisbeere + Stachelbeere = Jostabeere
Smoke + Fog = Smog

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Synonyme für Geld

Beim Spazieren durch Berlin bin ich letztens auf einen Geldautomaten gestoßen, der eine ganz besondere Verkleidung hatte. Raffiniert, dachte ich, zückte mein Smartphone und fotografierte.

Geld

Der Geldautomat ist jederzeit von der Straße zugänglich und als ich später im Dunkeln daran vorbeikam, war die passende Beschriftung hell beleuchtet. Eine wirklich kreative Idee.

Hier kommt die Auflistung in alphabetischer Reihenfolge:

  • Asche
  • Cash
  • Kies
  • Knete
  • Kohle
  • Kröten
  • Mäuse
  • Moneten
  • Moos
  • Piepen
  • Pinke Pinke
  • Schotter
  • Tacken
  • Zaster

Anschließend habe ich mich gefragt, ob das womöglich alle Synonyme sind, oder ob es noch weitere Begriffe für »Geld« gibt? Fällt euch noch etwas ein?

Randzonenpoesie

Manchmal sitzt man vor der Tastatur, versucht seine Gedanken zu formen und in einem poetischen Text oder Gedicht festzuhalten. Doch möchte dies nicht immer gelingen, insbesondere dann, wenn Themen wild durch den Kopf kreisen und man sich nicht konzentrieren kann.
An diesem Punkt kann die Randzonenpoesie vielleicht helfen. Und das funktioniert so:

  1. Nimm ein beliebiges Buch (gelesen oder ungelesen) mit einem Prosatext zur Hand, z.B. einen Roman oder Krimi, und schlage willkürlich eine Seite auf.
  2. Decke mit einem Blatt Papier die Seite so ab, dass du von den einzelnen Textzeilen jeweils nur die ersten eins, zwei oder drei Wörter lesen kannst.
  3. Begib dich auf Schatzssuche und finde in den Textanfängen schöne oder skurrile Wörter, die dir besonders gefallen.
  4. Betrachte mehrere hintereinander folgende Zeilen, die möglicherweise in einem gänzlich neuen Kontext einen Sinn ergeben können.

Zum Beispiel habe ich mir von Theodor Fontane den Roman »Unterm Birnbaum« herausgesucht und bin im zweiten Kapitel schon ganz hübsch fündig geworden:

Randzonenpoesie Fontane

Ein Finanzbeamter, der seiner Zahlen nicht müde wird. Bemüßigt rechnet und dividiert er die Nummern, bis am Ende immer ein glattes Ergebnis steht. Division ohne Rest. Jeder mathematisch etwas bewanderte Mensch wird da erkennen, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann. So betrachtet man seine Arbeitsweise mit Argwohn und wird ihm gegenüber schnell unfreundlich. Aber der Himmel möge es dem Beamten verzeihen, wenn er manche Aufgabe nur durch Mogelei lösen könne − ja, sogar lösen müsse.

Oder hier von Clemens Brentano, dessen Todestag sich heute jährt, gefunden im Märchen »Gockel, Hinkel und Gackeleia« im zweiten Kapitel:

Randzonenpoesie Brentano

Der Kapitän sitzt in seiner klapperigen Kajüte. Die Bohlen erzittern und krächzen bei jedem Windstoß. Wie lange werden sie dem Sturm noch Stand halten? Es klopft an der Tür und eine junge Frau, deren Gesicht im Kerzenschein einem Wachspüppchen gleicht, tritt herein. Süßer Duft vermischt sich mit dem modrigen Holz und der Kapitän greift zum Tablett und stopft sich eines der frisch gebackenen Zuckerwerke in seinen Mund.

Die Poesie in der Poesie finden – eine poetische Schatzsuche.

Mit der Methode der Randzonenpoesie kann man Kunst in Kunst entdecken und daraus neue Kunst entstehen lassen. Sie gibt kreative Impulse und hilft Schreibblockaden zu überwinden.
Die Idee zur Randzonenpoesie habe ich bei urbanwriting.de gefunden. Vielen Dank für diese tolle Idee! 🙂

Sonntagsgespräch

Irgendwo in Prenzlauer Berg an einer Ampelkreuzung. Ich sitze auf dem Fahrrad und warte vor der roten Ampel. Ein alter Mann geht mit Krückstock auf dem Gehweg und spricht mich an:

Er: »Sind Sie auch gläubig?«

Ich: »Nein.«

Er: »Aber Gott liebt sie trotzdem.«

Ich: »Danke.«

Er: »Schönen Sonntag!«

Ich: »Ihnen auch!«

Sternfahrt 2016 #1

Sternfahrt 2016

Einmal im Jahr findet in Berlin die große Fahrradsternfahrt statt. Dieses Mal, am 5. Juni 2016, jährte sie sich zum vierzigsten Mal. Auf über 1000 Streckenkilometern wanden sich die Radfahrer unter dem Motto »Fahr Rad!«sternförmig aus allen Himmelsrichtungen der Hauptstadt und dem Umland zum Brandenburger Tor. 140.000 Teilnehmer sollen es laut ADFC gewesen sein. Und damit vermutlich die größte Fahrraddemonstration der Welt.

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Der dicke Mann

Die Nacht nach dem längsten Tag des Jahres bricht kurz nach zehn in Berlin-Tempelhof an. Der Mond steht tief und voll am fast dunklen Himmel über dem Feld. Schleierwolken trüben den Blick.
Ein Mann mit einem Bauch so groß und rund wie der Vollmond sitzt auf einem Vierersitz in der Ringbahn. Er grummelt und fährt sich mit der Hand über die nahezu vollendete Glatze. Die verbliebenen grauen Haare an den Seiten hat er wachsen lassen und hinter dem Nacken zu einem schmierigen Zopf gebunden. Er schaut auf seinen Bauch, streicht darüber und spricht in tiefem Ton zu ihm. Ein Blick aus dem Fenster, nur einen kurzen Moment, dann winkt er ab. Er brabbelt vor sich hin und winkt erneut kopfschüttelnd.
Er kippt seinen Oberkörper vorne über und fasst sich zunächst an die linke, dann an die rechte Ferse, als wolle er prüfen, ob seine Füße in der Zwischenzeit nicht weggelaufen seien. Er sieht auf die Uhr, schüttelt den Kopf und murmelt etwas von halb elf. Dann erhebt er sich, als wolle er aussteigen. Er greift seine riesige Plastiktasche und wankt durch den Wagen. Doch statt zur Tür zu gehen, entdeckt er zwei Sitzreihen entfernt eine einsam auf dem Boden stehende Papiertüte von Primark. Er setzt sich neben die Tüte, legt seine Tasche ab und hebt die Tüte auf seinen Schoß. Mit den klobigen Händen hält er die zarten Henkel weit auseinander und inspiziert das Innere. Dann stellt er sie vor sich auf den Boden zurück. Wenig später greift er wieder zu. Er schaut hinein, die Tüte raschelt. Er entscheidet sich, sie zwischen den Beinen abzustellen und festzuhalten. Ab und zu brabbelt er, sieht sich um und blickt auf die Uhr. Es ist 10 vor halb 11. Haltestelle Insbrucker Platz steigt er mit Tasche und Tüte aus.

Hase vermisst

Hase vermisstNachdem letztens eine Schildkröte vermisst wurde, bin ich vor einiger Zeit auf einen Zettel mit einem vermissten Hasen gestoßen. Dem Datum nach zu urteilen wurde er schon sehr lange gesucht. Selbst zu Ostern scheint er nicht wieder aufgetaucht zu sein, denn der Zettel hing danach immer noch.
Inzwischen war dann aber nicht nur der Hase verschwunden, sondern auch sein Foto auf dem Papier. Und da es ohne Fahndungsfoto sowieso keinen Aussicht auf erfolg gab, war jemand so nett und hat den Zettel wieder abgenommen. Vielleicht erfreut sich nun ein anderes Kind an dem Hasen, denn es handelte sich um ein Plüschtier.

Notrufmelder

Notrufmelder

An der Außenfassade eines alten Gebäudes, vielleicht einem ehemaligen Schulgebäude, in der Nähe von Neuruppin entdeckt. Der Notrufmelder sah im Vergleich zum Haus regelrecht funktionstüchtig aus. Nur die Scheibe, die man im Notfall einschlagen sollte, war nicht mehr vorhanden. Die Versuchung war da, aber ich konnte widerstehen und habe den Knopf nicht gedrückt. Wer weiß, was sonst passiert wäre?

Scheibe einschlagen
KNOPF TIEF DRÜCKEN
O
VOLKSPOLIZEI/FEUERWEHR
telefonisch anfordern
und erwarten

Ein passendes Gedicht dazu wäre jenes über den Feuerlöscherwandhydrant.

Stunde der Gartenvögel 2016

An diesem Wochende fand vom 13. Mai bis zum 15. Mai die »Stunde der Gartenvögel« statt. Jeder, der irgendwo draußen in einem Garten, Park oder auf dem Balkon war, konnte daran teilnehmen. Dafür sollte man für eine Stunde versuchen, die Vögel der Umgebung zu erkennen und zu zählen. Je Vogelart, die man beobachtet hatte, sollte der Maximalwert notiert und später auf der Webseite des NABU mitgeteilt werden.

Kleingarten

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal teilgenommen. Ich saß abends zwischen 19 und 20 Uhr in einem wunderschönen Schrebergarten unter Blütenbäumen und habe versucht, die Vögel zu erkennen. Das war manchmal nicht einfach, wenn die Vögelchen flink von Ast zu Ast sprangen, sich unter dem frischen Blattwerk versteckten oder kurz über dem Kopf hinweg flogen.

Vogelart Anzahl
Feldsperling (Spatz) 7
Star 3
Elster 2
Kohlmeise 2
Mauersegler 2
Gartenrotschwanz 2
Mönchsgrasmücke 1
Ringeltaube 1
Graureiher 1

Besonders habe ich mich über den Gartenrotschwanz mit seiner weißen Maske und die Mönchsgrasmücke mit der schwarzen Kappe gefreut. Diese Aktion machte so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte mit dem Erspähen der fröhlichen Singvögel. Zum Abschluss hörte ich den kräftigen Flügelschlag des Graureihers, der an einem Gartenteich gespeist hatte, und sah, wie er in den Abend davon flog. Durch den Nachbargarten schlich eine Katze mit wachem Blick zu den Vögeln, die sich nun allmählich zu ihren Schlafplätzen begaben.

Schildkröte vermisst

Schildkröte vermisst

Auf einem kurzen Mittagsspaziergang über das Gelände der FU in Berlin-Dahlem entdeckte ich plötzlich überall diese handgeschriebenen Zettel. Unzählige Zettel, die an Bäumen, Laternen und Zäunen befestigt worden waren. Der Text variierte leicht, jedoch war rechts oben immer eine kleine, niedliche Schildkröte hin gemalt.

Als erstes fragte ich mich, wie eine maurische Landschildkröte aus einem Gehege entkommen konnte, dass vermutlich wiederum in einem Gehege lag – nämlich dem eingezäunten Garten.
Die Schildkröte überwand also eine zweifache Sicherheitsverwahrung und setzte sich schleunigst ab. Zudem muss sie einen starken Bewegungsdrang verspürt haben, wenn ich nach dem Radius der aufgehängten Zettel gehe (etwa 1-2 Kilometer). Vielleicht war sie aber auch nur schlau und hat sich bei dem wunderbar sonnigen Wetter gedacht, einen Ausflug in den Kräutergarten zu unternehmen. Vielleicht wollte sie aber auch nur eine Runde durch Nachbars Teich schwimmen, um sich abzukühlen.

Den Rest des Weges spähte ich in jedes Grün, ob sich etwas bewegte. Ich konnte die Schildkröte nicht entdecken. Vermutlich werde ich nie erfahren, was tatsächlich geschehen ist und ob die Geschichte gut ausgegangen ist.

Kleingeld gesucht

Kunde: »Guten Tag, können sie mir mal bitte 10 Euro klein machen?«

Verkäufer: »Kleen machen?«

Kunde: »Ja, in Münzen.«

Verkäufer: »Münzen? Nee, dit könn wa nich.«

Schöneberger Musikanten

Ich fahre mit der S1 nach Süden. Am S-Bahnhof Schöneberg steigen zwei junge Männer mit Instrumenten zu. Sie unterhalten sich, es klingt sehr bayrisch. Die beiden Musiker werden vermutlich als Teil eines großen Orchesters in den nächsten Tagen ein klassisches Konzert in Berlin geben. Denn der eine trägt einen großen Instrumentenkasten für ein Cello auf dem Rücken, der zweite einen kleinen für eine Geige.

Sie sehen sich nach einem freien Platz um und finden ihn auf einem Dreiersitz parallel zur Fahrtrichtung. Während der erstere noch mit seinem Cello hantiert und dabei an die obere Haltestange stößt, sitzt der zweite längst mit dem zwischen die Beine geklemmten Geigenkasten.

Die S-Bahn fährt in den Bahnhof Friedenau ein. Beide schauen sich irritiert um und stellen fest, dass sie hier schon wieder raus müssen. Die Instrumente werden geschultert und das Reisegepäck nebenher gezogen.
Erst als die beiden draußen auf dem Bahnsteig stehen, fällt mir auf, dass der mit dem kleinen Geigenkasten einen kleinen Rollkoffer mit sich führt, hingegen der andere mit dem dreimal so großen Cellokasten auch eine dreimal so große Reisetasche auf Rollen zieht.

Ich werfe einen letzten Blick auf die Männer, betrachte deren Statur, die sich nicht wesentlich in Größe und Form voneinander unterscheidet und stelle mir die Frage: »Was hat der eine in der riesigen Tasche, was der andere nicht hat?«

Welttag des Buches 2016

www.welttag-des-buches.de

www.welttag-des-buches.de

Heute, am 23. April, wird der Welttag des Buches gefeiert. Vielerorts werden Lesungen veranstaltet und Bücher werden verlost oder verschenkt.

Ich reihe mich mit meinem Blog mit einem kleinen Jubiläum in diese Reihe ein, denn inzwischen sind 100 Beiträge erschienen. Anlässlich dessen habe ich mir überlegt, einige Frühlingsgedichte aus der digitalen in die analoge Welt auf Papier zu übertragen (kurz: zu drucken) und diese in der Stadt zu verteilen.

Frühlingsgedichte zum Pflücken –
Ich schenk dir ein Gedicht!

In Berlin finden derzeit noch weitere litararische Veranstaltungen statt:

Die LoveLetter Convention hätte ich gern besucht, aber dafür muss man sich sehr frühzeitig anmelden und die Tickets sind etwas teurer. Außerdem scheint die Zielgruppe eher weiblich zu sein.
Für spontane Teilnahme eignet sich das READ!BERLIN viel besser. Es gibt neben den Wochenend- und Abendveranstaltungen auch viele Lesungen tagsüber in der Woche. Diese werden von Berufstätigen eher weniger wahrgenommen werden können. Aber ich hoffe, dass ich es schaffe, mir wenigstens eine Veranstaltung anzuhören.

Viel Spaß beim Feiern und Lesen von Büchern!

 

Zurückbleiben, bitte!

Der U-Bahn-Fahrer blickt aus seiner geöffneten Tür.
Er hält sich das Mikrofon vor den Mund und aus den Lautsprechern der Wagen tönt es:
»Zurückbleiben, bitte!«

Menschen drängen weiter in die Bahn.
Mit energischem Ton wiederholt der Fahrer:
»Zurückbleiben, bitte!!!«

Niemand hört auf ihn.
Etliche Personen springen in die Bahn hinein.
Der Fahrer wiederholt langsam und deutlich, damit ihn jeder einzelne Passagier gut verstehen kann:
»Zurück, zurück, zurück, zurück, … zurückbleiben, bitte!«

Die Türen schließen und der Zug setzt sich in Bewegung.