Silbenton

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Schlagwort: herbst (Seite 1 von 2)

Sei still

Der Wind pfeift,
Die Blätter rauschen,
Der Regen prasselt,
Die Hagelkörner klappern,
Der Donner grollt,
Die Äste krachen –
Ach Herbst, du bist mir viel zu laut.

David Damm, 2019

Herbstblues


Die Bluse – frisch und unbenutzt –
Gebügelt und herausgeputzt,
Begab sich auf den Weg zum Tanz,
Sie liebte Blues von Big Brass Bands,
Sie drehte sich im Blätterwind,
Der Abend herrlich lau und lind.

Da blies ein Bläser – mit Verlaub –
Die bunten Blätter und den Staub
Wie ein Orkan zum Bürgersteig,
Es wirbelten die Birkenzweig‘,
Mit zweifelhaftem Resultat:
Der Bluse platzten Knopf und Naht.

David Damm, 2018

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Am Kai

Die Fähre liegt im Trockendock,
Hat keinen Bock, Maschinen futsch.

Der Dicke blickt auf seine Uhr,
Sie tickt auf Mitternacht hinzu.

Er schrubbt konstant den Dreck an Deck,
Und steckt sich eine Kippe an.

Ein Dackel wackelt mit dem Schwanz,
Der Mann zieht seine Jacke an.

Er geht von Bord, da rennt ruckzuck,
Der Hund geduckt im Regen fort.

David Damm, 2017

Augenblick III – Herbst

Gummistiefel waten durch das Moor,
Und halten am Ufer zur Rast,
Die finstere Schlinge wird ausgeworfen,
Die Versuchung wird ihm zur Last.
Blitz und Donner, Naturgewalten,
Prasselnder Regenschauer,
Aufgegeben, zugeschnappt,
Versunken in elender Trauer.

Während er flog, hat er sie angeschaut.
Er sah ihr tief in die Augen.
Sie erwiderte seinen Blick,
Am Himmel flogen weiße Tauben.
Glückshormone schossen durch ihre Adern,
Erfüllten sie mit Glückseligkeit.
Tränen fielen, Freudentaumel,
Ende der gemeinsamen Zeit?

David Damm, 2005

Das ist die herbstliche Fortsetzung des Gedichts vom Fisch und der Rose. Hier gehts zu den vorherigen Teilen vom Frühling und Sommer.

Der Hausspatz

spatzen-am-meisenknoedel

An einer Ecke in Berlin
Schwingt an ’nem Straßenschild
Ein Meisenknödel hin und her,
Und macht die Spatzen wild.

Sie kommen aus dem Waldgesträuch
Und piepsen keck mit Lust,
Ein Sonnenblumenkern, der schmeckt,
Und stärkt die schmale Brust.

Die Menschen fegen durch das Laub,
Die Spatzen fliegen flach,
Sie stieben fort als flinker Schwarm,
Und landen auf dem Dach.

Der Schornstein raucht, der Himmel blaut,
Die dünnen und die dicken,
Die hocken sich im Sonnenschein
Auf’s Fensterbrett und picken.

Der Giebel ist aus rauhem Holz,
Dahinter Gelb vom Stroh,
Ein Spatz schlüpft durch den engen Spalt,
Und haust dort warm und froh.

November liegt schon in der Luft,
Es tschilpt ein kleiner Matz,
Gefüttert werden möcht‘ er liebst
Von seinem Elternspatz.

David Damm, 2016

 

Leise rieselt’s

Leise rieselt’s vom Baum,
Blätter wirbeln im Raum,
Stille zieht ein in den Wald:
Freue dich, Frosts Kind kommt bald.

Leer und weit ruht das Feld,
Uhr wird rückwärts gestellt,
Wind bläst nun kräftig und kalt:
Freue dich, Eiszeit kommt bald.

Mond erstrahlt hell und klar,
Sternenfunkeln wird wahr,
Schwebt eine weiße Gestalt:
Freude dich, Winter kommt bald.

David Damm, 2016

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Das Apfelbäumchen

Sieh, das kleine schmale Stämmchen,
Das auf grüner Wiese steht,
Wie der Wind mit seinem Kämmchen
Durch das Laub ganz zärtlich geht.

Riech, wie fein sich diese Früchtchen
Mit Verlockung parfümiert,
Und noch süßer ihre Düftchen,
Wenn die Äpfelchen kandiert.

Horch, das Rascheln in den Blättchen,
Säuseln, Brausen wie am Meer,
Bunt gefärbt geh’n sie zu Bettchen,
Bis die Zweige kahl und leer.

Pflück die glühend‘ Apfelbäckchen,
Strahlend rot vom Sonnenschein,
Husch, hol schnell ein großes Säckchen,
Sammle alle Äpfel ein.

Koste von den reifen Stückchen,
Mhhh, wie gut der Kuchen schmeckt,
Zimt und Zucker und ein Schlückchen
Apfelwein und Apfelsekt.

David Damm, 2016

Apfelbäumchen

Erntezeit

Die Sonne steht über den Fluren,
Die Ähren so golden und prall,
Die Bauern verbringen’s Getreide
Und lagern es trocken im Stall.

Die Blätter der Bäume verfärben
Und schillern so gelblich im Wind,
Ach, könnt‘ ich dem Herbste entrinnen,
Er macht mein Gemüte so blind.

David Damm, 2016

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Thema von Anders Norén.