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Schlagwort: reim (Seite 1 von 6)

Sonntags

Die Bienen summen durch Wiesen und Klee.
Die Rehe äsen an der Havelchaussee.
Die Hasen hoppeln auf der Jägerallee.
Die Vögel trällern eine Liedchenidee.
Die Hummeln brummen auf ihrer Blüten-Tournee.
Die Eichhörnchen springen durch Wipfel, juchee.
Die Rotfüchse trotten durchs Kudamm-Karree.
Die Wildschweine schwimmen im Teufelssee.
Zusammengefasst als kurzes Resümee:
Nur Menschen verdummen vor dem PC.

David Damm, 2022

Unter Tage

Ein Bergmann schiebt mit Muskelkraft
Seine Lore tief in den Stollen hinein,
Auf krummen Schienen poltert der Wagen
In ein Loch aus Dunkelheit und Stein.

Den Weg schon tausendfach gegangen,
Geschloss’nen Auges durch die Finsternis,
Doch flackert in seinem Innern müdes Verlangen,
Wonach, ist verborgen und ungewiss.

Der Bergmann verschmilzt mit Höhle und Mantel,
Von Felsen zerschlissen, notdürftig geflickt,
Sodann hält er an, sieht sich seltsam um,
Kohlrabenschwarz, wohin er auch blickt.

Seine Hände wandern in weite Taschen,
Zu Tage fördern sie Streichholz, Nachtkerze,
Ein Funke blitzt durch das dunkelste Dunkel,
Seitdem führt ihn das Licht durch die Schachtschwärze.

David Damm, 2022

Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff „Nachtkerze“ verfasst.

Das Ritual

Wenn ich am Morgen müd erwache,
Mach ich erst immer eine Sache,
Denn nur, wenn ich sie nett begrüße,
Gehorchen meine beiden Füße.

Welch Lasten müssen sie ertragen,
Besonders an den langen Tagen,
Von engen Schuhen platte Füße,
Was ich mit mancher Blase büße.

Doch wenn der Abend nun anbricht,
Sitz ich im warmen Schummerlicht,
Und dicht bei mir sitzt meine Süße,
Massiert und knetet mir die Füße.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 7. Aufgabe lautete: »Schreibe über jemandes Füße.« Ich habe die Aufgabe leicht abgewandelt und über meine Füße geschrieben.

Frühlingszauber

Ach, ich wund’re mich und staune,
Blumen blühen ringsum wieder,
Schenken jedem gute Laune.

Zweige, die sich sachte wiegen,
Nachtigall schlägt frohe Lieder,
Endlich auf der Wiese liegen.

Sattgrün lugt’s aus allen Ritzen,
Meine Sorgen leg ich nieder,
Ewig könnt ich bei dir sitzen.

Spendest mir ein bisschen Schatten,
Sonnencreme ist mir zu bieder,
Weil wir Sonne lang‘ nicht hatten.

Süßer Duft weht mir ums Näschen,
Vöglein glätten ihr Gefieder,
Trinken will ich, nur ein Gläschen.

Weiß, pink, lila sind die Farben,
Üppig hängend an dem Flieder,
All das lässt mich wundern, staunen
Und mich trunken Freude haben.

David Damm, 2022

Frühlingsflieder

Erster März

Der erste März erfreut mein Herz,
Der Frühling ist erschienen,
Die Vöglein singen Quint und Terz,
Die Sonne klettert himmelwärts,
Im Krokus summen Bienen.

David Damm, 2022

Noch schnell ein verspätetes Märzgedicht, der Frühling ist in vollem Gange und in wenigen Tagen tanzen wir schon in den Mai.

Rapunzel

Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!
Ach Liebster, mein Liebster, ich färb’s erst noch bunter.
Das Haar will ich schneiden, doch nur an den Spitzen,
Das geht ganz schnell vor dem Spiegel im Sitzen.

Dann muss ich sie gründlich mit Warmwasser spülen,
Schon bald wirst du es selber erfühlen,
Wie kuschelweich mein Haar dadurch wird,
Wie Sonnenlicht durch die Strähnchen flirrt.

Dann nehm‘ ich die Bürste und werde sie kämmen
Und pudern, um Läuse einzudämmen.
Ich trockne die Haare mit dem Heißluftfön,
Mein Liebster, für dich nur mach‘ ich mich schön.

Mein Pony muss schließlich geglättet werden,
Damit ich die Schönste werde auf Erden,
Ist dieser Schritt endlich auch getan,
Fang ich schon mit dem Flechten an.

Doch weil’s, wie du weißt, einige Meter sind,
Gedulde dich kurz, ich mache geschwind,
Zu guter Letzt werde ich’s parfümieren
Und etwas Pomade zum Halt hinein schmieren.

Nach einigen Tagen, das ist jedem klar,
War Rapunzel fertig mit ihrem Haar.
Ein kurzer Blick in den Spiegel und dann
Trat sie überglücklich ans Fenster heran:

Mein Liebster, ich lasse das Haar rasch herunter,
Doch jener schlief fest unterm Busch des Holunder.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 6. Aufgabe lautete: »Schreibe über dein Haar.« Ich habe die Aufgabe minimal abgewandelt und über jemandes anderen Haare geschrieben.

Aussichtslos?

Ein Mensch geht durch ein kluges Land,
Sieht Städte sich mehren wie Körner im Sand,
Und bald schon steht er auf einem Gipfel,
Ein eisiger Wind weht durch die Wipfel,
Die Aussicht ist bombig, doch gibt’s eine Tücke:
Zu Füßen klafft eine riesige Lücke.

Der Regen peitscht auf, durchdringt seine Sachen,
Der Rückweg versperrt durch Bäume, die krachen,
Die Wolken verdunkeln, gleich kommt ein Gewitter,
Steht er dann noch oben, so trifft es ihn bitter,
Am Abgrund wird’s laut, sein Blick wird trüber,
Wer hilft dem Gesell‘     schaf(f)t er es hinüber?

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 4. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Gedicht mit einem Bruch in der Mitte.«

Rosen sind rot

Rosen sind rot,
Veilchen sind blau,
Die ersten sind dornig
Und machen dir Au.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 2. Aufgabe lautete: »Schreibe eine eigene vierzeilige Version von „Rosen sind rot, Veilchen sind blau…“«

Kudamm

Ich steh am Kudamm in Berlin,
Wo Enten durch die Straßen zieh’n,
Der Storch stakst durch den grünen Flor,
Am Zebrastreifen steht davor
Ein Schimmel, mit den Hufen scharrend,
Weil auf der Bahn, nur kurz verharrend,
Die Schnecken schnell vorüber sausen,
Ihr Fahrtwind lässt mein Haar zerzausen.

Und in den Bäumen sitzt sogar
Der eine oder and’re Star,
Die herzlich miteinander plappern,
Der Storch stimmt ein mit lautem Klappern,
Am Baumstamm pocht der bunte Specht
Natürlich auf sein gutes Recht.
Und doch ist’s ungewöhnlich still,
Ach Mist, ich weiß‘: April, April.

David Damm, 2022

Bianca Körner zelebriert im April auf Instagram den Poesiemonat, den National Poetry Month. Jeden Tag stellt sie eine Aufgabe und ich mache mit.
Die 1. Aufgabe lautete: »Schreibe ein Aprilscherzgedicht.«

April

Der Regen peitscht, die Sonne lacht,
Und Wind lässt Zweige tanzen.
Die Blumenglöckchen sind erwacht,
Der Regen peitscht, die Sonne lacht,
Die Knospen tragen weiße Tracht
Und Gärtner viele Pflanzen.
Der Regen peitscht, die Sonne lacht,
Und Wind lässt Zweige tanzen.

David Damm, 2022

Der Fürst

Gehe nie zu deinem Fürst,
Wenn du nicht gerufen wirst.
Tut er dich dann rufen,
Schwing schleunigst deine Hufen!

David Damm, 2022

Ach Mensch

Der Mensch fliegt hin, der Mensch fliegt her,
Die Welt liegt ihm zu Füßen,
Er staunt ob der Naturschönheit,
Genießt die Freiheit und die Zeit,
Nach Hause lässt er grüßen.

Ein Kuss fliegt hin, ein Kuss fliegt her,
Die Freundschaft ist gefunden,
Und manches tolle Exemplar
Verliebt sich in den andern gar,
Gefolgt von heißen Stunden.

Ein Wort fliegt hin, ein Wort fliegt her,
Bis Kopf und Stimme glühen,
Sich gegenseitig heftig fetzend
Trifft manches Wort, ist stark verletzend,
Für’s Schlichten kein Bemühen.

Die Faust fliegt hin, die Faust fliegt her,
Die Schneidezähne krachen,
Die Prügelei zieht sich ein Weilchen,
Der eine trägt nun rechts ein Veilchen,
Doch keiner gibt den Schwachen.

Ein Stein fliegt hin, ein Stein fliegt her,
Am Kopf platzt eine Wunde,
Das Blut rinnt über’s weiße Hemd,
Der Gegner krümmt sich aufgestemmt,
Nun kommt’s zur letzten Runde.

Ein Schuss fliegt hin, ein Schuss fliegt her,
Die Kugeln surren, zischen,
Der Kampf, nur sinnloses Gefecht,
Am Schluss hat niemand gut und recht,
Denn viele wird’s erwischen.

Ein Kuss fliegt hin, doch keiner her,
Die Mutter steht am Grabe,
Die Wangen feucht, der Blick so leer,
Das Herz für allezeit ihr schwer –
Ach Mensch, ist Dummheit eine Gabe?

David Damm, 2022

Berlin

Ein Süchtiger hetzte durchs wilde Berlin,
Er suchte ganz dringend ’ne Schnupfmedizin,
Erst am Bahnhof Zoo
Wurd’s Näschen ihm froh,
Die dreckige Luft roch nach Öl und Benzin.

David Damm, 2022

Ich mag

Ich mag, die Gipfel zu erklimmen,
Ich mag, durch breite Flüsse schwimmen,
Ich mag, auf wilden Pfaden gehen,
Ich mag, viel von der Welt zu sehen,
Ich mag, wie Schmetterlinge fliegen,
Ich mag, faul auf der Haut zu liegen,
Ich mag, wenn’s draußen stürmt und blitzt,
Ich mag, wenn du hier bei mir sitzt,
Ich mag kein schlechter Dichter sein,
Doch mehr als dich mag ich den Wein.

David Damm, 2022

Das Pferd

Da steht ein Pferd auf weiter Flur,
Der Wind fegt durch die Felder,
Das Pferd, ein Pony ist es nur,
Geht nimmer in die Wälder.

Denn eines Tages war es im Wald
Und trabte auf matschigen Wegen,
Da ward es zerstochen von Mücken alsbald
Und musste sich wochenlang pflegen.

Ein Bauer, der das Pferdchen sah,
Mit seiner müden Mähne,
Grub seine Hände in das Haar
Und striegelte die Strähnen.

Beim nächsten Mal nahm er das Maß
Mit einem langen Faden,
Vom Bauchumfang, das war ein Spaß,
Von Kopf und Hals und Waden.

Der Bauer ging zu seiner Frau,
Bat sie, sie sollt‘ was nähen,
Und tüchtig bis zum Morgengrau
War es ganz schnell geschehen.

Die Sonne scheint flach übers Feld,
An Gräsern hängen Tropfen,
Die Frau zieht hier, der Bauer hält,
Dann zerren sie und stopfen.

Im Nu ist nun das Werk vollbracht,
Das Pferd kann’s selbst nicht glauben,
Schwarzweiß gestreift, der Bauer lacht,
Das Zebrapferd muss schnauben.

Schnell spricht sich’s rum, Pony und Kleid,
Die Leute kommen und staunen,
Das Pony strahlt und wiehert breit,
Die Menschen beginnen zu raunen:

Einst stand ein Pferd auf weiter Flur,
Der Wind ging durch die Felder,
Das Pferd, ein Pony war es nur,
Geht seitdem in die Wälder.

David Damm, 2022

Am Weihnachtsmorgen

Die sehnsüchtig erwartete Heilige Nacht
Hat tausende Sterne zu uns gebracht.

Noch gehen kaum Menschen auf den Wegen,
Die meisten von ihnen schlafen mit Segen.

Die Dächer sind weiß bedeckt und rau,
Mit Eisdiamanten statt Morgentau.

Eine geplusterte Taube sitzt auf dem Dach,
Sie gurrt und macht die Nachbarschaft wach.

Aus einigen Schornsteinen qualmt der Rauch,
Geschmückt steh’n die Tannen, wie es der Brauch.

Entpackte Geschenke steh’n unter dem Baum,
Der Duft von Zimtsternen schwebt durch den Raum.

Draußen von Ferne tönt Hundegebelle,
Es schlagen die Glocken der Kirchenkapelle.

David Damm, 2021

Wünsche und Gedanken

Wenn nur jeder, der sich wünscht,
Dass an Weihnacht unbedingt,
Schnee aus Wolken fallen müsse
Statt der nassen Regengüsse,
Wenn nur jeder, der dies wünscht,
Seine Wünsche und Gedanken
Widmete den Schwachen, Kranken,
Hätten wir mit Nächstenliebe
Alles was zu wünschen bliebe.

David Damm, 2021

Ein Sonnenstrahl

Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht,
Ich war verwirrt, denn es regnete nicht,
Da dachte ich, ich müsste gehen
Und mir die ganze Welt besehen.

Ich füllte die Taschen mit reichlich Proviant,
Denn die weite Welt ist ein großes Land.
Ich schritt frohen Mutes die Straße hinan,
Doch bald fing es heftig zu Schütten an.

Die Wolken der Welt hingen über mir fest,
Sie zogen nicht weiter, nicht Ost und nicht West,
Sie weilten und machten die Schleusen auf,
Das Wasser stürzte, ergoss sich zuhauf.

Ich kehrte heim, durchnässt bis aufs Hemd,
Die Haare klebten in die Stirn geschwemmt. –
Eine Kanne mit Tee, ein Brot mit Belag,
So stärkte ich mich, bis ich plötzlich erschrak:

Ein Sonnenstrahl traf mein Gesicht,
Ich war verwirrt, denn es regnete nicht,
Da dachte ich, ich müsste gehen
Und mir erneut die Welt besehen.

David Damm, 2021

Das letzte Gericht

Die weiße Gans steht ganz entzückend
Auf bunter Wiese Blümchen pflückend,
Hans steht am Zaun, er lächelt, lacht,
Bestaunt die Gans in ihrer Pracht.

Sie zupft am Federkleid, sich schmückend,
Doch dann droht dicke Luft – bedrückend,
Das schwere Gattertor geht auf,
Die Gans ist klug – macht Dauerlauf.

Der Bauer hinkt auf krummen Krücken,
Er flucht, verdammt, aus vollen Stücken:
»Du dumme Gans bleib endlich hier,
Ich krieg dich schon, du blödes Tier!«

Der Bauer schnauft und will sich bücken,
Da schießt ihm Schmerz in seinen Rücken,
Die Gans quietscht laut vor Angst und Schreck,
Der Bauer schwankt und sitzt im Dreck.

Rasch nimmt er ein paar Whiskeyschlücke,
Auf dass sein Leiden sich verdrücke,
Und als er wieder um sich sieht,
Sieht er noch wie die Gans entflieht.

Das Tor steht offen, schwups, ruckzück,
War sie entfleucht, kein Blick zurück,
In weiter Ferne wippt der Schwanz,
Und Hans macht einen Freudentanz.

Die Gans gerettet, ganz im Stück,
Der Hans ist außer sich vor Glück,
Er wünscht ihr noch ein langes Leben,
Von vielen Gänseklein umgeben.

David Damm, 2021