Ich sitze still am feinen weißen Strand, Die Wellen kitzeln meine blassen Zehen, Zwei Möwen landen neben mir im Sand, Der Wind lässt ihr Geschrei im Nu verwehen.
Das Meer rauscht leise und mit salz’gem Duft, Drei weiße Wölkchen ziehen rasch nach Norden, Nur eine löst sich auf in heißer Luft, Inzwischen ist es abendlich geworden.
Die Kleckerburgen steh’n verlassen da, Die Gräben werden von der Flut verwaschen, Die Sonne ist dem Horizont so nah, Und ich pack meine Badeausflugtaschen.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Kleckerburg« verfasst.
Als Kind lernte ich schwimmen In einem Brandenburger See, Mitten im Wald gelegen, Mit grobem Kies am Strand. Die orangefarbenen Schwimmflügel Wurden so fest aufgepustet Wie beim Messen des Blutdrucks Und über die dünnen Ärmchen gestülpt. Ich fuchtelte mit Armen und Beinen Auf dem Bauch liegend im Wasser Und schluckte jede Menge davon. Eine starke Hand unter dem Bauch stützte Und hielt mich über der Wasseroberfläche. Es dauerte eine ganze Weile Bis die Bewegungen nicht mehr hastig, Sondern koordiniert und ruhig wurden. Die Eltern saßen auf dem Badehandtuch, Sahen zu, wie ich bald alleine übte, Ganz vorne im flachen Wasser Und über den Seegrund robbte. Stolz wie Bolle kam ich heraus, Mit blauen, zitternden Lippen Und rotem, zerkratztem Bauch.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Schwimmflügel« verfasst.
Mein Kumpel namens Matze Trägt unterm Käppi Glatze, Sein allerliebster Schatze Ist seine Schmusekatze. Am Poolrand sitzt ein Spatze Und zwitschert ein Geschwatze, Im Rasen ruht der Matze Auf seiner Luftmatratze. Er schnarcht, macht ratze ratze, Da langweilt sich die Katze, Nimmt ihr scharfe Tatze, Und los gehts mit Gekratze. Mit einem festen Satze, Erwacht der müde Matze, Denn seine Luftmatratze Tat plötzlich laut zerplatzzzzze.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Luftmatratze« verfasst.
Zuerst mit Händen, Armen, Kopf, Dann Körper, Beinen, Füßen, Tauch ich, ab-auf, mit nassem Schopf, Und zwinker zu der Süßen, Die da am Beckenrand mit Zopf Zu mir herüber lächelt, Von meiner Nase perlt ein Tropf‘, Ich hab nicht abgeschwächelt. Stolz schlägt mein Herz, macht laut klopf, klopf, Marianne kommt aus Meckel, Vielleicht bin ich ihr Suppentopf Und sie mein Kochtopfdeckel.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Kopfsprung« verfasst.
Manche Menschen brauchen viel: Sonnenstrahlen, Wärme und Hitze. Mit jedem Grad, das empor klettert, Steigen deren Laune, Lust und Lebendigkeit. Ab fünfunddreißig Grad Außentemperatur Fühlen sie sich pudelwohl Und zeigen ihre schlanke Badefigur.
Andere Menschen brauchen viel: Schatten, Frischluft und Kühle. Mit jedem Grad, das empor klettert, Nimmt deren Befinden und Bewegungsdrang ab. Ab fünfundzwanzig Grad Außentemperatur Fühlen sie sich hundeelend Und verstecken ihre verschwitzte Frisur.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Hundstage« verfasst.
Wie einst Tom Sawyer und Huckleberry Finn Schippern wir auf dem Wasser der Havel dahin. Am Wannsee schlagen die Wellen ans Floß, Wir fürchten sie nicht, unser Mut ist so groß.
Wir spähen durchs Fernrohr zum Strandbad hinüber, Dort gibt’s einen Schatz, unser Blut kocht vor Fieber. Die Leute liegen wie Krebse am Strand, Wir ankern und warten, geh’n erst nachts an Land.
Der Mond steht hoch und ist uns Laterne, Wie Eisdiamanten funkeln die Sterne. Die knittrige Karte weist uns den Weg, Wir graben mit Spaten und Schaufel am Steg.
Schon bald stoßen wir auf ein hölzernes Gut, Wir bergen die Truhe, brechen auf mit der Flut. An Deck knacken wir mit dem Anker das Schloss: Rost’ge Münzen, ein Seil und ein Wurfgeschoss.
Wir treiben flussabwärts noch tagelang, Tauchen ein in die Wildnis mit Vogelgesang. Der Fluss wird schmäler und windet sich bald, Wir erzittern beim Heulen der Wölfe im Wald.
Entsetzt stellen wir eines Morgens fest, Das Floß ist verfangen in Schling und Geäst. Ein Seerosenteppich umschließt uns ganz, Bis zum rettenden Ufer zwanzig Meter Distanz.
Wir binden den Haken an das Ende vom Seil, Und schleudern ihn kräftig wie einen Pfeil. Im siebten Wurf haben wir endlich Glück, Er wickelt sich fest und kommt nicht mehr zurück.
Mit all uns’rer Kraft zieh’n wir an einem Strang, Wir müssen uns sputen, der Ast hält nicht lang. Wir zählen gemeinsam hinauf bis zur Drei, Ein kräftiger Ruck und das Floß ist frei.
Wir stimmen vor Freude ein Seeliedchen an, Und danken dem klugen Steuermann. Das Schiffchen schaukelt wie auf hoher See, Beim nächsten Mal fahren wir auf der Spree.
Mit Reichtum beschenkt, auch wenn ohne Gold, Ist jedes Erlebnis des Entdeckers Sold: Die Schatzkiste gefüllt mit Abenteuern Von gierigen Schlangen und Seeungeheuern.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Abenteuer« verfasst.
Die Rosen sind ganz ausgebufft, Verströmen Himbeerbrausenduft. Schneeweiß die Erdbeerpflanzen blüh’n, Die ersten Früchte sind noch grün. Doch nicht mehr lange, Denn es ist Sommer – Es ist endlich Sommer.
David Damm, 2021
Dieses Gedicht wurde im Rahmen der Juniverse-Challenge zum Begriff »Himbeerbrause« verfasst.
Nachdem es im letzten Jahr so viel Spaß gemacht hat und einige von euch auch mitgemacht haben (das hat mich besonders gefreut 🙂 ), starte ich dieses Jahr mit einer neuen Gedichte-Mitmachaktion zum Thema »Sommer«. Denn wie lange warten wir dieses Jahr schon darauf, dass es endlich wärmer wird, wir wieder häufiger raus an die frische Luft können, ohne uns nasse Füße oder einen Schnupfen zu holen? Na klar, viel zu lange. Denn der Mai mauserte sich zum neuen April und bescherte uns in Berlin viele Wolken, Regen, Hagel und sogar Schneeschauer. Sonnenschein oft Fehlanzeige. Umso schöner ist es, dass nach dem Mai der Juni kommt, der Wetterbericht sonnige Tage verspricht, auch die Inzidenzzahlen fallen, man ab Freitag sogar ohne einen aktuellen Corona-Test oder Impfnachweis unter freiem Himmel im Biergarten sitzen darf. Man darf sich in größeren Gruppen treffen und sogar die Urlaubsorte öffnen ihre Pforten. Das ist doch was, oder? Wer sich dadurch genauso motiviert und inspiriert fühlt wie ich, der möge auf jeden Fall mitmachen und einen Monat lang jeden Tag ein Gedicht schreiben.
Ein Reiher stand im Schwarzen Grund, Die Schenkel des Frosches im Schlund, Doch wurde die Mahlzeit gestört: Spaziergänger auf ihrer Runde Mit bellendem tobendem Hunde. Der Reiher hob ab, unerhört!
Seit Dezember befinden wir uns immer noch im zweiten sogenannten Lockdown und in der dritten Welle. Im Großen und Ganzen sind nur Geschäfte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerien, Buchhandlungen) geöffnet. Seit Frühlingsbeginn kamen noch die Gärtnereien hinzu. Die Läden dürfen nur mit FFP2-Maske und unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 m betreten werden.
Anfang Januar rief Fabian Leonhard vom Trabanten Verlag zur Einsendung von Gedichten und lyrischen Texten zum Thema »Lockdown« über Instagram auf. Es dauerte nur wenige Wochen, schon waren über eintausend Werke eingegangen, die dann in loser Folge auf dem Instagram-Kanal von Lockdownlyrik gepostet wurden. Es wurde die Idee geboren, aus den besten Stücken ein Lyrikbuch zu gestalten. Eine Jury aus vier Personen bewertete die vielen Gedichte und traf eine Auswahl, weitere halfen bei der Gestaltung eines Covers und dem Setzen des Buchblocks, so dass in kürzester Zeit ein neues Buch entstanden war.
Nun möchte ich euch freudig verkünden, dass mein eingeschicktes Gedicht »Quarantäne« in das Buch aufgenommen wurde. Ihr erinnert euch vielleicht, dass es ein Gedicht bestehend aus nur einem Reim, also einem Haufenreim, war. Eine schöne Überraschung, damit unter den 100 besten Autorinnen und Autoren sein zu dürfen. Und das allerbeste: sämtlicher Gewinn, der bis Ende des Jahres mit dem Buch erzielt wird, kommt der Berliner Obdachlosenhilfe zu Gute. Bis jetzt wurden schon über zweitausend Bücher verkauft und eine zweite Auflage in Auftrag gegeben.
Im frühlingshaften Monat Mai Sah ich im Park ein Reh, Ich dacht‘, es sei ein junges Kitz, Es graste so benommen. Erst bei dem Näherkommen Erschrak ich, und dies ist kein Witz: Der Rücken war befleckt mit Schnee, Als wenn’s noch Winter sei.
Es war einmal … eine Herzogin, die zur Tafel in den holzvertäfelten Speisesaal geladen hatte. Es gab für die Gäste Tafelspitz. Der Koch hatte ihn mit feinkörnigem Tafelsalz gewürzt und servierte die Speise mit einer cremigen Soße aus Tafel-Meerrettich. Zerlaufene Tafelbutter wurde auf die Kartoffeln gegeben. Dazu wurde Wein und ein kühles Tafelwasser gereicht. Gespeist wurde mit dem familiären Tafelbesteck aus Tafelsilber. Das Tafelgeschirr war aus weißem Porzellan mit feinen blauen Linien. Der Tisch war mit einem großen, weißen Tafeltuch eingedeckt. Die Tafelleuchter standen auf der Mitte und die Flammen der Kerzen flackerten. Als Nachspeise hatte die Herzogin Tafelbirnen ernten und Tafeltrauben importieren und bereitstellen lassen. Süße Mäuler konnten auch ein Stück von einer Schokoladentafel wählen. Mit wässrigem Mund saßen die Gäste an der reich geschmückten Tafelrunde, klapperten mit dem Besteck und warteten, dass der Hofnarr sein Tafellied anstimmte:
Wir wollen fein und lange tafeln, Als nur von Wein und Schwein zu schwafeln.
Die Tafelnden griffen begierig zu, spießten mit dem glänzenden Tafelbesteck die Speisen auf und führten sie den Mündern zu. Der Hofnarr spielte währenddessen keine schöne, aber dafür umso lautere Tafelmusik, um die schmatzenden Geräusche zu übertönen.
Und heutzutage … muss man nicht mehr so einen Aufwand betreiben: man geht einfach in ein Lebensmittelgeschäft, kauft ein tafelfertiges Essen, erwärmt es zuhause in der Mikrowelle und kann wenige Minuten später seine Tafelfreuden genießen.